Geopolitische Spannungen, zunehmende Regulierung und die Zukunft der Allgemeinen Luftfahrt dominierten die Diskussionen während der 153. Regionaltagung der IAOPA-Europe in Kopenhagen. Vertreter europäischer AOPA-Organisationen versammelten sich in der dänischen Hauptstadt, um die wichtigsten Entwicklungen zu erörtern, die die Allgemeine Luftfahrt (GA) in ganz Europa betreffen.
Eines der wichtigsten Themen war die Verfügbarkeit von Luftfahrtkraftstoffen. Clemens Bollinger warnte davor, dass eine mögliche Sperrung der Straße von Hormus ernsthafte Versorgungsprobleme verursachen könnte – insbesondere beim Kraftstoff Jet A1. Obwohl Europa verhältnismäßig wenig Rohöl direkt aus der Golfregion importiert, hat die Schließung zahlreicher europäischer Raffinerien die Abhängigkeit von importierten raffinierten Kraftstoffen erhöht.
Für Avgas erscheint die kurzfristige Aussicht stabiler, da Anbieter wie Shell, Warter Fuels und Puma Energy die Produktion fortsetzen. Dennoch bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich der langfristigen Verfügbarkeit. Emmanuel Davidson warnte davor, dass das geplante Ende der Avgas-Produktion in den Vereinigten Staaten im Laufe der 2030er Jahre dazu führen könnte, dass Europa von nur noch wenigen globalen Anbietern abhängig wird. Gleichzeitig merkten die Teilnehmer an, dass die aktuelle geopolitische Lage den Übergang zu bleifreien Kraftstoffen wie GAMI und Swift beschleunigen könnte.
Auch regulatorische Entwicklungen sorgten für rege Diskussionen. Die Teilnehmer äußerten Bedenken hinsichtlich der Vorschläge der Europäischen Kommission für verpflichtende Passagier-Meldesysteme, die der Bekämpfung von Schmuggel und illegalen grenzüberschreitenden Aktivitäten dienen sollen. Viele Vertreter befürchten, dass diese Maßnahmen die operationelle Flexibilität, die traditionell eine wesentliche Stärke der Allgemeinen Luftfahrt ist, erheblich einschränken könnten.
Martin Robinson von der AOPA-UK merkte an, dass ähnliche Systeme im Vereinigten Königreich bereits existieren, und sieht das Risiko, dass sich vergleichbare Anforderungen auch auf das übrige Europa ausweiten könnten. Der Vorsitzende der IAOPA-Europe, Roland Becker, stellte fest, dass Europa derzeit in ein politisches und sicherheitspolitisches Umfeld eintritt, in dem Grenzkontrollen zunehmend an Akzeptanz gewinnen.
Die IAOPA wird in dieser Angelegenheit weiterhin eine klare Haltung einnehmen und sich gegen unnötige Beschränkungen des freien Verkehrs von GA-Luftfahrzeugen innerhalb des Schengen-Raums zur Wehr setzen.
Ein weiteres zentrales Anliegen war die Umsetzung von Part-IS, der neuen europäischen Cybersicherheitsverordnung für Luftfahrtorganisationen. Obwohl diese formal bereits seit Februar 2026 in Kraft ist, haben viele Flugschulen, CAMOs und Instandhaltungsbetriebe mit dem damit verbundenen Verwaltungsaufwand zu kämpfen. Nach Aussage von IAOPA-Europe Präsident Michael Erb erfüllt in Deutschland noch keine einzige Luftfahrtorganisation die Vorschriften vollständig. Vertreter aus Dänemark und der Schweiz berichteten von ähnlichen Problemen.
Positiver verliefen die Diskussionen zur Reform der Flugmedizin. Jüngste Gespräche mit der EASA im Rahmen der AERO Friedrichshafen 2026 lassen darauf schließen, dass künftig eine Vereinfachung der medizinischen Anforderungen möglich werden könnte. Die EASA scheint sich schrittweise einem stärker evidenzbasierten Ansatz zuzuwenden, bei dem bestimmte medizinische Probleme nicht mehr automatisch zum Ausschluss führen.
Auch die Themen „Electronic Conspicuity“ (elektronische Sichtbarkeit) und die Weiterentwicklung von ADS-B wurden ausführlich erörtert. Finnland, Norwegen, Spanien und die Schweiz investieren massiv in neue ADS-B-Infrastrukturen, da Systeme zur elektronischen Sichtbarkeit für die Sicherung des Zugangs zum Luftraum zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Teilnehmer warnten davor, dass die rasante Zunahme von Drohnen, Windparks und kontrollierten Lufträumen die Allgemeine Luftfahrt in Teilen Europas allmählich verdrängen könnte, sofern keine angemessenen Lösungen implementiert werden.
Den Abschluss des Treffens bildeten die Vorbereitungen für das nächste IAOPA-Europe Regional Meeting, das im Laufe dieses Jahres im Rahmen der IAOPA World Assembly in der Nähe von Frankfurt stattfinden wird.




