Auf Einladung von Staatssekretär Stefan Schnorr fand am 9. Februar ein Runder Tisch zur Flugmedizin im Bundesministerium für Verkehr (BMV) in Bonn statt. Neben Vertretern des Ministeriums, des Luftfahrt-Bundesamtes (LBA), des Bundesamts für Flugsicherung (BAF), der EASA, der Industrie, Airlines, Fliegerärzten und Pilotengewerkschaften nahmen auch der DAeC und die AOPA-Germany als Interessenvertretungen der Allgemeinen Luftfahrt teil. Ziel war es, die Ursachen der langen Bearbeitungszeiten und die oftmals willkürlichen Entscheidungen bei flugmedizinischen Verfahren transparent aufzuzeigen, verloren gegangenes Vertrauen wiederherzustellen sowie konkrete Maßnahmen zur Beschleunigung der Prozesse zu vereinbaren.

Bereits in den Impulsvorträgen der verschiedenen Organisationen wurde deutlich, dass die derzeitigen Verfahren mit den inakzeptablen Verweisungszeiten von mehreren Monaten ein strukturelles Problem darstellen, welches viel zu lange verkannt wurde. In Europa ist Deutschland leider der Staat mit der langsamsten flugmedizinischen Verwaltung. Dass es auch in Deutschland ganz anders geht, zeigt vorbildlich das BAF. Hier werden Verweisungen bei den Medicals für Fluglotsen durch motivierte externe Fliegerärzte innerhalb spätestens einer Woche abgearbeitet, im Regelfall innerhalb jedoch von nur drei Arbeitstagen. Warum geht das beim LBA nicht?

Besonders kritisch wurde der Vertrauensverlust gegenüber dem LBA bewertet. Vertreter der Pilotenschaft warnten vor einer zunehmend schwindenden „Just Culture“, da die mangelnde Verlässlichkeit sowie die uneinheitlichen Vorgaben, die Meldebereitschaft beeinträchtigen. Dies stellt im Gesamtkontext ein Risiko für die Flugsicherheit dar. Gleichzeitig berichtete der Fliegerarztverband von großer Unzufriedenheit innerhalb der Ärzteschaft wie auch von dem besorgniserregenden demografischen Wandel: Die Zahl der Fliegerärzte ist seit den 1990er-Jahren um 50% gesunken, rund die Hälfte der derzeit tätigen AMEs ist älter als 60 Jahre. Aus Sicht der AOPA-Germany ist u.a. auch diese Entwicklung besonders alarmierend für die Allgemeine Luftfahrt. Unnötig lang andauernde Untersuchungen, längere Wege zu Fliegerärzten, steigende Kosten als auch bürokratische Hürden, gefährden mittel- und langfristig den Nachwuchs sowie die fliegerische Aktivität.

Breiten Raum in der Diskussion nahm die Forderung nach klaren Richtlinien, Checklisten und Flow-Charts nach internationalem Vorbild sowie einer stärkeren Nutzung der fachlichen Kompetenz von externen Gutachern ein. Verweisungen sollten konsequent auf den konkreten Anlass beschränkt werden. Ebenso wurde eine nicht-öffentliche Hotline für Fliegerärzte, weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen und eine maximale Aktenprüfungsdauer vorgeschlagen.

Die Vorschläge der anwesenden Organisationen waren oftmals deckungsgleich mit den Empfehlungen der Unternehmensberatung PwC, welche durch das BMV mit einer Aufgaben- und Strukturanalyse im gesamten LBA beauftragt wurde. Neben der verstärkten Arbeit mit Honorarkräften sollen insbesondere auch messbare Kennzahlen (KPIs) erarbeitet und definiert werden, um eine engmaschige Kontrolle der Maßnahmen sicherzustellen.

Positiv bewertet die AOPA-Germany den breiten Konsens aller Beteiligten über den dringenden Reformbedarf. Kurzfristig wurden bereits Arbeitsgruppen zur Prozessgestaltung, Kommunikation und Formularwesen eingerichtet. Weitere Treffen und Ziele sind bereits ab Ende Februar eingeplant. Mittelfristig stehen standardisierte Verfahren, reduzierte Prüfungsdichten sowie Pilotprojekte zur stärkeren Einbindung von AeMCs auf der Agenda.

Für die AOPA-Germany ist entscheidend, dass den Worten nun Taten folgen: „Flugmedizin funktioniert nur als partnerschaftliches System. Effiziente Prozesse, transparente Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen sind die Grundlage für Sicherheit und Leistungsfähigkeit der gesamten Luftfahrt.“

Der Runde Tisch war ein dringend notwendiger Auftakt. Nun kommt es darauf an, die vereinbarten Maßnahmen konsequent umzusetzen und damit kurzfristig spürbare Verbesserungen für Piloten und Fliegerärzte zu erreichen. Das BMV hat mit deutlichem Nachdruck klargestellt, dass die derzeitigen Zustände zügig und zuverlässig überwunden werden müssen. Ein leistungsfähiges flugmedizinisches System ist zentraler Bestandteil einer sicheren und wettbewerbsfähigen Luftfahrt.