Drohende Zwangsumrüstung auf 8.33 Funkgeräte durch IAOPA-Einsatz vorläufig gestoppt

AOPA-Letter 01/08

Das Thema beschäftigt die IAOPA schon seit vielen Jahren. Die Flugsicherungen in Zentraleuropa beklagen sich darüber, dass ihnen die Frequenzen ausgehen.

Die Lösung sieht man dort in der Einführung von 8.33 kHz Funkgeräten auch im unteren Luftraum. Geschätzte Kosten: Etwa 2 Milliarden Euro, die zu etwa gleichen Teilen zu tragen sind von der Allgemeinen Luftfahrt und den Militärs. Die Airlines betrifft das Thema nicht, denn im oberen europäischen Luftraum hat man schon vor einigen Jahren den Frequenzabstand gedrittelt und das 8.33 kHz Kanalraster eingeführt. Aber die Kosten von etwa 1 Mrd. EUR wären ein schwerer Schlag für die Betreiber von Flugzeugen der AL, und eine Belastung für die Steuerzahler, die die Kosten der Militärs tragen müssen.

 

Im November 2007 kam plötzlich Bewegung in die Angelegenheit: Die Europäische Kommission hat sich eingeschaltet und von Eurocontrol verlangt, alle alternativen Maßnahmen zur Überwindung der Frequenzknappheit zu prüfen: Nur bei einem Nachweis, dass es keine anderen Möglichkeiten gäbe, würde das Mandat zur Einführung von 8.33 auch unterhalb von FL195 erteilt.

 

Ein Riesenerfolg für die Allgemeine Luftfahrt und die IAOPA, und eine schwere Schlappe für die DFS!

 

Denn die DFS hat noch im Mai 2007 in Schreiben an die deutschen Luftfahrtverbände recht rigoros und offenbar reichlich voreilig verkündet, dass der 8.33 kHz Kanalabstand flächendeckend kommen wird: Und zwar ab 2010 für IFR, ab 2013 für alle. „Die flächendeckende Einführung des 8.33kHz Kanalrasters ist daher sichergestellt", so glaubte die DFS.

 

Aber da hatte man die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn die EU-Kommission hat das Mandat für 8.33 auf Grund von Zweifeln an der Notwendigkeit der Rieseninvestitionen bis heute nicht erteilt.

Daran ist zu einem großen Teil die europäische IAOPA „schuld". Immer wieder haben wir argumentiert, dass wir die Notwendigkeit in den nächsten Jahren neue Frequenzen zu vergeben durchaus anerkennen, jedoch nicht die akute Frequenzknappheit, von der die Frequenzmanager immer sprechen.

Vor dem Industry Consultation Body der EU Kommision haben wir im Oktober 2007 deshalb den Antrag gestellt, die derzeitige Frequenzvergabepraxis kritisch zu überprüfen.

Der Antrag wurde angenommen, wir wurden gehört! Eurocontrol hat inzwischen im Auftrag der EU-Kommission die Erstellung einer Studie eingeleitet, an der auch die IAOPA konstruktiv mitwirken wird. Mit Ergebnissen wird nicht vor Ende 2009 gerechnet.

 

Zum Hintergrund:

 

Die IAOPA vertritt die Auffassung, dass genügend Frequenzen bis etwa zum Jahr 2020/2025 zur Verfügung stehen, wenn die Frequenzen denn nur nach strengen Effizienzkriterien von einer europäischen Frequenzzentrale vergeben würden. Und wir haben es vorgemacht, ein von uns entwickeltes Frequenzvergabemodell hat etwa 25% freie Kapazitäten im VHF-Band aufgezeigt.

 

Eigentlich ist das kein ganz großes Wunder, denn die FAA in den USA und die NATO in Europa machen es allen vor: In den USA braucht man dank einer zentralisierten Frequenzvergabe kein 8.33, weder im oberen noch im unteren Luftraum. Und die NATO hat in Europa das Problem der Knappheit militärischer Frequenzen überwunden, seitdem man die Vergabe aus dem Zuständigkeitsbereich rein nationaler Stellen herausgenommen hat.

Wenn wir die Resourcen der 25 kHz Frequenzen bis 2020/2025 effizient ausnutzen, können wir unsere Funkgeräte bereits mit dem neuen digitalen Standard ausstatten, der bis dann unsere alten analogen Geräte ablösen oder zumindest ergänzen soll. Ein digitaler Standard erscheint auch sinnvoll und nutzbringend. Unsere Handies funktionieren auch alle nach digitalen Standards.

 

Wäre es nicht großartig, wenn wir mit digitalen Funkgeräten ab 2020 nicht nur sprechen, sondern auch Textnachrichten empfangen könnten (z.B. ATIS, METAR, TAF, IFR-Clearances, Meldungen über aktive Flugsperrgebiete), außerdem Radarbilder und Verkehrsinformationen? Das kann heute das Handy jedes Grundschülers. In 2020 sollte auch die High-Techbranche Luftfahrt dazu in der Lage sein. Und für diese Geräte werden sich auch genügend Freiwillige finden, die den Einbau in ihre Flugzeuge so schnell wie möglich vornehmen werden. Denn eines ist klar: 8.33 Funkgeräte sind eigentlich was für´s technische Museum und nichts für eine Luftfahrtmesse.


AERO 2019

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