Cessna SIDs: EASA sieht ein Wahlrecht für private Betreiber

12.12.2012

CessnaDie Wartungsempfehlungen von Cessna für die Einmotorigen der 100er und 200er Serien mit Baujahr vor 1986 sorgen derzeit für eine große Verunsicherung unter den Flugzeugbetreibern und Wartungsbetrieben. Denn derzeit ist unklar, ob die sog. "Mandatory Supplementary Inspection Documents", mit denen die Flugzeuge auf Korrosion untersucht werden sollen, für jedes Flugzeug verbindlich durchgeführt werden müssen, oder ob der Flugzeugbetreiber in voller Eigenverantwortung hierfür ein Wahlrecht hat. Die Kosten für die Untersuchungen sind hoch, sie liegen zwischen geschätzten 5.000 und 10.000 Euro, was für viele alte "Schätzlein" mit einem Marktwert von vielleicht 20.000 bis 30.000 Euro sicherlich einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeutet.

 

Im Heimatland von Cessna ist die Sache klar: Die FAA erlaubt es privaten Flugzeugbetreibern zu entscheiden, ob die Mandatory SIDs durchgeführt werden müssen. Kommerzielle Betreiber sind an die Ausführung gebunden.

 

Wie sieht es in Europa aus? Die EASA hat uns gegenüber am 16. August 2012 erklärt, dass die privaten Flugzeugbetreiber auch in Europa ein Wahlrecht wie in den USA erhalten sollen, diese erfreuliche Nachricht haben wir in Ermangelung einer öffentlichen Stellungnahme des LBA auch auf unserer Internetseite veröffentlicht. Das LBA erklärt jetzt aber in E-Mails zum Thema, dass "Veröffentlichungen der AOPA für und als LBA nicht relevant sind", und dass man den privaten Flugzeugbetreibern kein Wahlrecht einräumen will, dass die Mandatory SIDs von allen Flugzeugbetreibern uneingeschränkt umzusetzen sind.

 

Wie bitte? Wir glauben, dass man im LBA hier etwas grundlegend nicht richtig verstanden hat, denn unsere Veröffentlichungen sind keinesfalls irgendwelche AOPA-Amtsanmaßungen, sondern von uns 1:1 weitergeleitete Veröffentlichungen der EASA, also der Behörde, die dem LBA fachlich vorgesetzt ist. Um sicherzugehen, dass unsere Veröffentlichungen auch noch aktuell sind, haben wir bei der EASA nachgefragt. Deren Deputy Rulemaking Director Eric Sivel hat uns per E-Mail nochmals bestätigt, dass die EASA weiterhin das Wahlrecht beim privaten Betreiber sieht.

 

Bedauerlich ist, dass die Kommunikation zwischen der EASA und dem LBA in solch einer wichtigen Frage offenbar nicht funktioniert, dass man in Deutschland die Vorschriften maximal ungünstig für die Betroffenen auslegt und einem Verband, der hier ausschließlich aufklären will, auch noch indirekt Amtsanmaßung unterstellt.

 

Wir haben demnächst Treffen mit den Verantwortlichen im Bundesverkehrsministerium, im LBA und der EASA, um in dieser Frage endlich Klarheit zu erhalten.

 

Dr. Michael Erb




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