3. DVO zur LuftBO - ELTs und Feuerlöscher

AOPA-Letter 03/09

Seit dem 1. April 2009 gilt in Deutschland die 3. DVO LuftBO. Viele hierin enthaltene Regeln zum Flugbetrieb und zur Ausstattung sind durchaus sinnvoll. Was uns jedoch massiv stört sind die Vorschriften zu ELTs und Feuerlöschern. In diesem Artikel wollen wir erklären was uns stört und konstruktive Vorschläge unterbreiten.

 

Zu den ELTs:

 

§ 16 Notsender (zu § 22 LuftBO)

(1) Für Flüge ins Ausland müssen ab dem 1. Oktober 2009 alle Flugzeuge mit mindestens einem Notsender ausgerüstet sein, der auf 121,5 Megahertz und 406 Megahertz senden kann.

(2) Ab dem 1. Januar 2010 müssen alle Flugzeuge mit mindestens einem Notsender (ELT) nach Absatz 1 ausgerüstet sein.

(3) Flugzeuge, die nach dem 1. Oktober 2009 erstmals zum Verkehr zugelassen werden, müssen mit einem automatischen Notsender ausgerüstet sein, der auf 121,5 Megahertz und 406 Megahertz senden kann.

 

Das LBA erläutert hierzu auf seiner Internetseite:

  • Flugzeuge, die vor dem 01. Oktober 2009 erstmalig zum Verkehr zugelassen worden sind, können mit einem beliebigen ELT ausgerüstet werden, der gemäß Absatz 1 auf 121,5 MHz und 406 MHz senden können. Dies schließt tragbare Geräte ein, so dass ein Festeinbau nicht erforderlich ist. Dadurch reduzieren sich die Beschaffungskosten im Vergleich zu einer festen Installation erheblich.
  • Flugzeuge, die nach dem 01. Oktober 2009 erstmalig zugelassen werden, müssen mit einem automatischen Notsender ausgerüstet werden. Hinter dem Zusatz Term „automatisch" verbergen sich u.a. sich ein Festeinbau sowie ein Bedienteil im Cockpit.

Die deutschen Behörden begeben sich mit den ELT Vorschriften leider auf einen internationalen Alleingang. Zwar schreiben auch die Niederlande für grenzüberschreitende Flüge die 406 ELTs vor, aber nicht für nationale Flüge ( vgl. AIC-B 07/08, Pub: 17. July 2008). Die Franzosen schreiben zwar für alle Flugzeuge 406 ELTs vor, auch für die nur in Frankreich fliegenden, sie erlauben aber auch die sog. PLBs, Personal Locator Beacons (vgl. AIC A 10/08 Pub: May 01). Andere Staaten verlangen nach unserem Kenntisstand derzeit keine 406 MHz ELTs.

 

Zum technischen Hintergrund:

 

Nach dem Abschalten der Satellitenüberwachung auf der Frequenz 121,5 MHz bietet die weiterhin von Satelliten überwachte Frequenz 406 MHz eindeutig mehr Sicherheit. Speziell in Gebieten, die nicht dicht besiedelt sind und wo es nach einem Unfall ein erhöhtes Risiko gibt, nur mit einem 121,5 ELT ausgestattet nicht gleich von den Rettungskräften gefunden zu werden. Wer über die Ozeane und in entlegenen Gebieten Skandinaviens fliegt, sollte auf keinen Fall auf einen auf der Frequenz 406 operierenden Notsender verzichten.

 

Allerdings sollte man auch darüber nachdenken, ob ein fest eingebautes, automatisch auslösendes und mit einer Luftfahrtzulassung versehenes ELT wirklich den besten Schutz im Falle eines Unfalles liefert. Denn es gibt zwar keine offizielle Statistik, aber viele dokumentierte Fälle, in denen nach einem Crash auch von einem 406 MHz ELT kein Alarm ausgelöst wurde.

 

Die Ursachen sind leicht nachzuvollziehen: Schlägt ein Flugzeug auf dem Wasser auf, versinkt es zumeist in wenigen Sekunden. Mit ihm auch ein fest eingebautes ELT, das unter der Wasseroberfläche nicht mehr zu empfangen ist.

 

Eine Auslöseautomatik soll bei einem harten Aufschlag das ELT auslösen, oft reagiert die Automatik aber nicht wie gewünscht. Denn fällt ein Flugzeug in Bäume oder ein Gebüsch, dann „rasieren" Zweige und Äste das Flugzeug förmlich, und die ELT-Antennen halten solch einer Rasur nicht stand. Denn nur die ELTs selbst müssen einen Crashtest überstehen, das Gesamtsystem mit Antennen nicht.

 

Tragbare ELTs und PLBs haben den Vorteil, dass sie in der Flugzeugzelle genauso geschützt werden wie die Insassen, dass man nach einem Crash den Notsender manuell aktivieren und aus dem Flugzeug herausnehmen kann. Wird die Crew durch den Aufschlag besinnungslos, wird der Notsender allerdings nicht aktiviert.

 

PLBs sind bei einem Gewicht von nur wenigen hundert Gramm oftmals schwimmfähig und mit einem GPS ausgestattet, das fortwährend die aktuelle Position überträgt. Und das sind bei Kosten von nur etwa 500 EUR große Vorteile. Aber obwohl PLBs mit dem gleichen Cospars Sarsat Satellitensystem arbeiten wie die ausgewachsenen ELTs, werden PLBs in Deutschland einfach schon aus dem Grunde nicht akzeptiert, weil sie keine luftfahrtspezifische Zulassung gemäß ICAO Vorgaben besitzen. In Frankreich jedoch werden PLBs aber auf Grund ihrer offensichtlichen Vorteile anerkannt.

 

In Kanada hat man die Bedenken gegenüber einem Mandat zur Zwangseinführung von 406 MHz ELTs bestätigt. Der kanadische Verkehrsminister John Baird hat seine Verwaltung überstimmt und einen entsprechenden Gesetzesentwurf nach Einwänden unserer Kollegen der Canadian Owners and Pilots Association „COPA" gestoppt. Der Gesetzesentwurf muss nunmehr überarbeitet werden und alternative Technologien berücksichtigen, die im Wettbewerb mit den 406 MHz ELTs stehen.

 

Wie geht es weiter?

 

Wir werden uns gemeinsam mit unseren Kollegen vom DAeC Anfang Juni mit Vertretern des Bundesverkehrsministeriums und des Luftfahrtbundesamtes zusammensetzen. Der Protest gegen die Zwangseinführung von 406 MHz ELTs ist von der gesamten Luftfahrtfachpresse unterstützt worden. Gemeinsam mit dem Aerokurier, dem DAeC und dem Fliegermagazin haben wir viele hundert Unterschriften gegen die drohenden Zwangsumrüstungen gesammelt, die wir dem BMVBS übergeben wollen. Unser Ziel wird es weiterhin sein, die Frage der Ausrüstung mit Notsendern der EASA zu überlassen, die ab dem Jahr 2012 für diese Thematik verantwortlich sein wird. Genau wie auch in Frankreich und Kanada muss weltweit über die Zulassung alternativer Rettungstechnologien nachgedacht werden, also natürlich auch in Deutschland und Europa.

 

Gibt die AOPA Geräteempfehlungen?

 

Wer heute in die Niederlande fliegen will braucht ein 406 ELT, der kommt mit einem PLB nicht aus. Wer nach Frankreich fliegt, für den reicht ein PLB, das man im Versandhandel auch wochenweise anmieten kann. Auf jeden Fall empfehlen wir die eigenen Bedürfnisse und den Markt genau zu prüfen, Angebote zu vergleichen. Die Rechnung für festeingebaute ELTs ist zumeist durch Einbau- (z.T. sind aufwendige Verkabelungen notwendig) und Zulassungskosten (Minor Change Approval der EASA) etwa im Gesamtbetrag doppelt so teuer wie der reine Geräteeinkaufspreis, komplett etwa 1500-2000 EUR bei 750-1000 EUR für das Gerät.

 

Nicht fest eingebaute Survival-ELTs ohne Auslöseautomatik kosten etwa 1500 EUR. Automatisch auslösende tragbare ELTs (die eigentlich genau das gleiche können wie ein Survival ELT, nur zusätzlich noch die Automatikfunktion besitzen), sind eigentlich für den Festeinbau vorgesehen und kosten etwa 800 -1000 EUR. Eigentlich sollte man sie mit einer flexiblen Antenne ausstatten und dann genauso verwenden können wie ein Survival ELT, wenn man im Fluge die automatische Auslösung deaktiviert. Ob dies vom LBA auch akzeptiert wird, ist uns noch nicht abschließend klar, wir lassen es aber aktuell prüfen. Vorteilhaft ist auf jeden Fall bei den nicht festeingebauten Geräten der Wegfall der Einbau- und Zulassungskosten. Derzeit gehen wir auch der Frage nach, ob durch Sammelbestellungen für AOPA-Mitglieder ggf. Preisnachlässe erzielt werden können.

 

Zu den Feuerlöschern:

 

§8 Sonstige Ausrüstung (zu §§ 19 bis 22 LuftBO)Flugzeuge und Hubschrauber sind im Übrigen immer wie folgt auszurüsten (...) mit einem Handfeuerlöscher im Cockpit und in jedem Fluggastraum, wenn dieser durch die Besatzung nicht leicht zu erreichen ist.

 

Bei den Feurlöschern geht es uns weniger um die Kosten, als um die Risiken des Einsatzes von Feurlöschern. Wir haben hierzu mit unseren Kollegen vom DAeC vorgetragen, dass die Auslösung eines Feuerlöschers in einem Kleinflugzeug dramatische Folgen haben kann. Löschschaum kann der Besatzung die Sicht rauben, Pulver und Gas (Halon, CO2) können der Besatzung leicht die Atmung unmöglich machen. Feuerlöscher drohen sich zudem auch aus ihrer Halterung zu lösen und dann als Geschosse durch ein Cockpit zu fliegen. Bislang stellt das LBA erfreulicherweise sehr großzügig Ausnahmebescheinigungen aus, auch dieses Thema werden wir Anfang Juni mit BMVBS und LBA weiter diskutieren.

 

Die o.g. Dokumente können online unter www.lba.de und dann unter „Ausrüstung mit ELT wird verbindlich - 3.DV LuftBO in Kraft" eingesehen werden. Wir halten Sie auch in dieser Angelegenheit informiert!

 

Dr. Michael Erb


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