Über 100 flogen auf Fürsty

AOPA-Letter 06/09

Samstag, 26. September: ein wunderschöner Herbsttag mit Traumsicht und wolkenlosem Himmel, geradezu ideal für das Oktoberfest Fly In von Fürstenfeldbruck, das von der FFB Fürstenfeldbruck Betriebsgesellschaft, zu deren Gesellschaftern auch die AOPA-Germany gehört, ausgerichtet wurde. Und tatsächlich fanden 101 Flugzeuge den Weg zum Flugplatz der Kreisstadt im Westen des Millionendorfs. Die Teilnehmer des bedrängten Fürsty flogen nicht nur aus Solidarität von den Nachbarplätzen, sondern aus der ganzen Republik an. Ohne große Eingriffe in den Verkehrsverlauf hatte die Flugleitung unter der erfahrenen Führung von Andreas Boehl den dichten Betrieb im Griff.

 

 

 

Besucher nicht nur der reiferen Pilotengeneration, sondern auch viele Familien mit kleinem und großem Nachwuchs genossen die Herbstsonne und ließen sich von den Vereinsmitgliedern mit Speisen und Getränken verwöhnen. Erfreulich, wie die General Aviation und der Flugsport es immer wieder schaffen, Ältere und Jüngere, Väter und Söhne, aber immer mehr auch die Mütter und Töchter gerade auch an „kleinen" Flugplätzen zusammenzuführen.

Es herrschte auch bei dem erhöhten Flugaufkommem des Fly Ins der Alltag: Es wurde „Benzin geredet", Kaffee getrunken und über vergangene und geplante Flüge gesprochen.

 

Vor allem wurde aber über die Politik räsoniert. Wie kann es passieren, dass entgegen einem höchstrichterlichen Urteil der einzige Verkehrslandeplatz im S-Bahnbereich der bayerischen Landeshauptstadt von der Schließung bedroht ist? Wie kurzsichtig muss die Politik sein, einen Wirtschaftsfaktor, ja einen Innovationskern abzuwürgen, wo doch weitsichtigere Regionen sich um Neugründungen bemühen? In London wird in den Docks der City Airport installiert, während in München der neue Flughafen in das Erdinger Nebelloch verlegt wird.

 

 

Der stadtnahe Riemer Platz wurde in ein Messegelände umgewandelt, Neubiberg kurz danach dicht gemacht. Sicher, die Messe ist wichtig. Es wird dort Handel getrieben, meist mit Gütern, welche im weit günstigeren Ausland produziert wurden. Die Messe findet wetterunabhängig in Hallen statt. Vielleicht hätte der Nebel des Erdinger Mooses den Messebetrieb weniger behindert, als er es trotz aller Technik mit dem Flugbetrieb immer noch schafft. Geschäftsreisende, welche gerade jetzt im Herbst durch die Morgennebel gebremst werden, wissen das.

 

Die Anreise auf dem Landweg nach Fürsty ist eigentlich leicht: Von der S-Bahn Maisach ist man in etwa 15 Minuten zu Fuß an der Flugleitung. Kraftfahrer haben es schwerer: Ein weises Gremium hat die Zufahrt nur für landwirtschaftliche Nutzer genehmigt. Wer also in Maisach einen Bauernhof hat, darf seine Resi mit dem Traktor abholen, nachdem sie eingeflogen wurde. Traktoren als Taxis umzurüsten wäre natürlich eine Innovation. Falls Sie in Fürstenfeldbruck landen, wäre die Reise ins Millionendorf damit wenigstens stilgemäß. Der Berichterstatter reiste mit dem Motorroller an, den kann man die 300 m Wirtschaftsweg weit schieben. Dies ist nicht viel anstrengender als „Zehn Meter gehen".

 

Die Hoffnung nicht nur der Luftfahrer ruht nun auf der Spruchkammer, die in Kürze über die Zukunft des Flugplatzes urteilen soll. Sie ist zum Glück nicht durch ein paar wenige Protestierer beeinflussbar. Es reicht eben nicht aus, dass jeder nur „seine Ruh" haben möchte.

 

 

 

Ein Land ohne schnelle Verkehrsmittel, ohne funktionierende Infrastruktur und mit Berührungsängsten zur Innovation, welche gerade die Luftfahrt immer wieder mit anstößt, ein solches Land wird mit der weltweit aufstrebenden Konkurrenz bestimmt nicht Schritt halten können und es wird weniger lebenswert für alle sein. Natürlich geht das nicht um jeden Preis, die Umwelt und Nachhaltigkeit des Wirtschaftens hat ihren Stellenwert, und die Fliegerei hat dies erkannt und handelt danach.

 

Text: Gerhard Gutheil

Fotos: Martin Bollinger


AERO 2020

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