Sorgen um Fürsty

AOPA-Letter 04/08

Eigentlich sollte man sich über diese Erfolge freuen: Im Entwurf des neuen Flughafenkonzepts des BMVBS wird wieder auf die Bedeutung von Flugplätzen der Allgemeinen Luftfahrt (AL) hingewiesen, im Besonderen sollen stark ausgelastete Flughäfen in Ballungszentren durch AL-Flugplätze entlastet werden. Auch die EU-Kommission hat mit ihrem Diskussionspapier zur General Aviation auf der europäischen Ebene Zeichen gesetzt und eine „Agenda für eine nachhaltige Zukunft der Allgemeinen und der Geschäftsreiseluftfahrt" verfasst, die den großen sozialen und ökonomischen Nutzen unserer Branche darlegt. Wie auch im Flughafenkonzept wird hier auf die besondere Bedeutung von AL-Flugplätzen in der Nähe von stark frequentierten Airports hingewiesen. Die Autoren beider Studien hat die AOPA bzw. die IAOPA mit Informationen versorgt, die offenbar als richtig akzeptiert und in die Konzepte integriert wurden.

 

Doch große Freude will sich bei uns derzeit dennoch nicht einstellen: Denn die Genehmigung von Flugplätzen ist in Deutschland nicht Angelegenheit des Bundes, erst recht nicht der Europäischen Kommission, sondern der Bundesländer. In vielen deutschen Bundesländern gibt es Luftverkehrskonzepte, die auch die AL in ihren Planungen berücksichtigen. Speziell in dezentralen strukturschwachen Regionen hat man den Wert der AL erkannt und fördert entsprechend ein gut ausgebautes Netz von Flugplätzen.

 

Eigentlich auch so in Bayern: In jeder Planungsregion soll es gemäß Landesentwicklungsplan einen Flugplatz für die AL geben. Mit etwas Abstand zur Hauptstadt des Freistaates wird das auch durchaus verstanden und in die Praxis umgesetzt – Augsburg, Eggenfelden und Straubing sind nur drei Beispiele hierfür.

 

Für die Landeshauptstadt München soll Fürstenfeldbruck nach der Schließung Riems die neue Heimat der AL werden, so sieht es der Landesentwicklungsplan vor. Deshalb gründeten im Jahr 1995 die IHK München, der Flieger Club München und die AOPA-Germany quasi auf Einladung des Freistaats Bayern eine GmbH zur Aufnahme des zivilen Flugbetriebs am damaligen Militärflughafen „Fürsty". Nur die Nachbargemeinde Maisach war und ist immer gegen einen zivilen Flugbetrieb gewesen und bekämpfte unter anderem die Zufahrt zum Flugplatz mit juristischen Mitteln. Der endgültige Durchbruch „Pro Fürsty" mit 40.000 Flugbewegungen im Jahr und Flugbetrieb an allen Wochentagen lag jetzt zum Greifen nah: Alle zur Erteilung der Betriebsgenehmigung notwendigen Unterlagen waren beim Luftamt Südbayern eingereicht, selbst die Naturschutzbehörden hatten keine Einwände gegen den Flugbetrieb. Die Genehmigung stand unmittelbar bevor. Zuerst erwarteten wir die Genehmigung nach den bayerischen Kommunalwahlen im März 2008, sie blieb jedoch aus. Nachdem die Wahlen für die CSU katastrophal ausgingen, will sich die regierende Partei offenbar auf lokaler Ebene vor den Landtagswahlen im September 2008 beliebt machen und lässt umstrittene Themen fallen, etwa auch das frühere technologische Lieblingskind Bayerns, den Transrapid. Plötzlich wollen Landespolitik und Landesministerien auch vom Landeplatz Fürsty nichts mehr wissen und bevorzugen stattdessen eine Nutzung des Geländes durch BMW. Ein Fahrsicherheitszentrum und eine Teststrecke sollen entstehen, gerade einmal 20 Arbeitsplätze geschaffen werden. Warum soll man auch nicht das Gelände für einen Flugplatz und eine BMW-Teststrecke gemeinsam nutzen? Schließlich ist es mit 250 ha groß genug. Aber BMW will das Gelände exklusiv für sich alleine ohne Flugplatz, alle unsere Gesprächsversuche scheiterten.

 

Die Unterlagen zur Erteilung der Flugplatzgenehmigung wurden dem Luftamt vom Wirtschaftsministerium kurzfristig abgenommen, somit kann die zuständige Behörde den Flugplatz nicht mehr genehmigen. Offenbar interessiert die bayerischen Politiker angesichts miserabler Umfrageergebnisse nicht mehr, dass der Flughafen München (zu 51% im Eigentum des Freistaats Bayern) über viele Jahre Millionen von Euro in den Ausbau von Fürsty investiert hat, etwa in die vom Militär vorgeschriebene Umzäunung der zivilen Abstellflächen und Gutachten für die Erteilung der Betriebsgenehmigung. Man wollte schließlich von der Betriebspflicht für Flugzeuge unter 2 t MTOM befreit bleiben. Diese Investitionen würden vernichtet, wenn Fürsty nicht Flugplatz bleibt.

 

Die AOPA wird gemeinsam mit dem Flieger Club München und der IHK München alles unternehmen, damit die Flugplatzgenehmigung für Fürstenfeldbruck nach 13 Jahren der Auseinandersetzung mit den Gegnern und des Wartens endlich erteilt wird. Damit auch in der Region München endlich der Flugbetrieb der AL stattfinden kann, den man in Brüssel und Berlin als wichtig erkannt hat. Auch in München weiß man durchaus um die Bedeutung der AL, hoffentlich findet man bald wieder den Mut sich dazu zu bekennen.Derzeit prüfen wir die Aussichten von Klagen gegen das Luftamt wegen Untätigkeit und auf Schadenersatz.


Flieg doch mal

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