Situation um Fürsty spitzt sich zu

AOPA-Letter 01/10

Die letzten Nachrichten aus Fürstenfeldbruck waren alles andere als erfreulich. Der bayerische Landtag beschloss in der Woche vor Weihnachten die Abänderung des Landesentwicklungsplans, der in seiner bisherigen Fassung noch das Ziel aufführte, den ehemaligen Militärflughafen FFB einer zivilen Nutzung zuzuführen.

Unmittelbar danach verkündete das Bundesverteidigungsministerium, dass die Entwidmung des Flughafengeländes zum Ende Januar 2010 vorgenommen werden soll, das neuerdings CSU-geführte Bundesministerium will offenbar die Parteifreunde an der Isar unterstützen.

 

In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar drangen dann Unbekannte auf das Flugplatzgelände vor und verübten einen Brandanschlag auf alle acht dort noch stationierten Flugzeuge, indem man Lunten in die Tankdeckel steckte und anzündete. Ein französisch registrierter Motorsegler brannte vollständig aus, alle anderen Flugzeuge wurden unterschiedlich stark beschädigt. Offenbar hat die geistige Brandstiftung, die von den FFB-Flugplatzgegnern mit einer massiven Agitation gegen den angeblich drohenden Fluglärm betrieben wurde, Früchte getragen und irgendwelche kriminellen Dummköpfe zu diesem Anschlag verleitet.

 

Brandanschlag auf die in Fürsty stationierten Flugzeuge

 

Der Flughafen München, der unser Projekt bislang immer finanziell unterstützt hat, ist zudem inzwischen angehalten worden, diese Unterstützung einzustellen. Wir haben zwar im Umgang mit Behörden und Politik schon einiges erlebt, dennoch machte sich bei uns zeitweilig schon eine gewisse Frustration breit. Offenbar soll alles getan werden, um das nichtfliegerische Konzept der Gemeinde Maisach für ein BMW-Fahrsicherheitstraining auf dem FFB-Gelände durchzudrücken.

Der erste Frust hat sich bei uns gelegt, die AOPA gibt natürlich nicht auf.

 

Inzwischen wurde gegen die Entwidmung des Flughafengeländes Einspruch eingelegt, der auch eine unmittelbar aufschiebende Wirkung hat. Möglich ist es allerdings, dass der Flugplatz bald nur noch PPR betrieben werden kann, um weitere Kosten einzusparen, die für die anstehenden Rechtsverfahren u.a. für die angestrebte Klage auf Erteilung der Betriebsgenehmigung dringend benötigt werden.

 

Wir haben gemeinsam mit den vom Brandanschlag betroffenen Flugzeughaltern eine Belohnung zur Ergreifung der Täter in Höhe von 4.000 € ausgesetzt.

Zwar verfügen wir Flieger nicht über genügend Wählerstimmen, um die politischen Parteien in Bayern nachhaltig zu beeindrucken. Aber wir haben in Deutschland und weltweit genügend potentielle Autokäufer, um die treibende wirtschaftliche Kraft hinter dem Maisacher Konzept zum Nachdenken zu bringen: Denn das ist niemand anderes als BMW. BMW hat es uns gegenüber in mehreren Gesprächen kategorisch abgelehnt, sich für eine gemeinsame Flugplatznutzung zu engagieren, obwohl das FFB-Gelände dafür wirklich groß genug wäre.

 

Dabei sollte BMW es eigentlich wissen, was es bedeutet Flugzeuge verwenden zu können, denn BMW hat in München nach eigenen Angaben selbst mehrere Geschäftsreiseflugzeuge der Typen Falcon 2000 EX und Gulfstream G-V (Neupreise zwischen ca. 25 und 42 Mio. USD) für sein Management stationiert. Allerdings auf dem internationalen Flughafen, man kann es sich ja leisten. Schafft das Verständnis für Nutzer kleinerer Flugzeuge? Offensichtlich nicht. BMW setzt offenbar alles daran, dass die Region München weiterhin mit einem kleinen Reiseflugzeug nicht mehr angeflogen werden kann und setzt sogar die IHK-München unter Druck, endlich die Unterstützung der Privatflieger aufzugeben. BMW sollte eigentlich wissen, dass all die Piloten aus Privat-, Sport- und Geschäftsfliegerei, die Fürstenfeldbruck nutzen möchten, für sie eine hochinteressante Zielgruppe darstellen, und dass man sie besser nicht verärgern sollte.

 

Von den ca. 150.000 GA-Piloten und Luftsportlern in Deutschland, die im Durchschnitt drei Autos im Haushalt oder im Fuhrpark haben und alle vier Jahre ein neues Auto kaufen, werden im Jahr insgesamt ca. 112.500 neue Autos gekauft. Wenn man BMW dabei einen Marktanteil von 10% in dieser Zielgruppe unterstellt (ca. 9% sind es für BMW am Gesamtmarkt), dann sind dies 11.250 PKW pro Jahr, die BMW hier verkauft. Wenn nur 10% dieser Verkäufer verärgert sind und sich ein anderes Auto kaufen, dann erleidet BMW einen Verlust von 1.125 Neuverkäufen, was einer Umsatzeinbuße von ca. 40 Mio. EUR pro Jahr entsprechen würde. Wenn BMW sich den Reputationsverlust in der Luftfahrt mit den daraus folgenden finanziellen Konsequenzen leisten kann, bitte. Wir empfehlen dem BMW Management aber stattdessen umzudenken, sich deutlich und glaubhaft für eine gemeinsame Flugplatznutzung einzusetzen.

Unterstützung erhalten wir durch den DULV und die internationale AOPA, die ebenso ungehalten sind wie wir und entsprechende Schreiben an das BMW-Management versenden werden. Auch die allgemeinen Medien werden von uns informiert werden.

 

Denken Sie beim nächsten Autokauf doch einmal darüber nach, von welchem Hersteller Sie kaufen. Muss es unbedingt ein Auto von einem Hersteller sein, der Flugplätze zerstört? Bei mir und dem AOPA-Vorstand wird das nächste Auto deshalb garantiert kein BMW sein.

 

Dr. Michael Erb


AOPA Werbung

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie diese Website nutzen gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.    Datenschutzerklärung    OK