Rauswurf der AL aus Berlin-Schönefeld droht

AOPA-Letter 06/09

SchönefeldDie Stellungnahme des Flughafensprechers Ralf Kunkel in der Berliner Morgenpost vom 20. Oktober ist unmissverständlich. Die Flughafengesellschaft will künftig Privatflieger mit kleinen Maschinen vom Flughafen Schönefeld und künftigen Hauptstadtflughafen BBI fernhalten. „Maschinen mit einem Abfluggewicht bis zu zwei Tonnen sollen in Schönefeld nicht mehr landen. Eine Cessna hat auf einem Verkehrsflughafen nichts mehr verloren. Sie ist zu langsam, und wir verdienen auch nicht genügend Geld." Aber man kann in puncto Verleumdung offenbar immer noch einen draufsetzen, so konnte man im Berliner Tagesspiegel am 9. November unter der Überschrift „Pannenmaschinen von Hobbyfliegern stoppen Linienjets" nachlesen, wie Kunkel misslungene Seitenwindlandungen von Hobbyfliegern als Grund für wiederholte Flughafensperrungen ausmacht.

 

Damit passiert genau das, wovor die AOPA in der Diskussion um die Schließung von Berlin-Tempelhof und den Ausbau von BBI immer gewarnt hat. Der neue Flughafen BBI kann mit seinen zwei Pisten nach der Schließung von Tempelhof und Tegel nicht den Verkehr aufnehmen, den die drei Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld zuvor auf sechs Pisten abgewickelt haben. Im Jahr 2007 waren dies zusammen 253.000 Flugbewegungen. Zum Vergleich: Die gut ausgelasteten Flughäfen Hamburg und Köln haben 173.000 bzw. 151.000 Bewegungen, jeweils deutlich weniger. Die logische Konsequenz war klar: Sobald Tempelhof endgültig geschlossen ist, wird man die Allgemeine Luftfahrt, deren Bewegungszahlen man für die Genehmigung der Ausbaupläne für BBI noch dankbar angenommen hat, aus dem Flughafen rausdrängen. Alle anderslautenden Bekräftigungen der Flughafengesellschaft und der Berliner Senatsverwaltung, dass AL und Airlines eine neue gemeinsame Heimat in BBI finden werden, waren von Anfang an reine Luftblasen, man wollte den Ausbau des Flughafens BBI nicht gefährden.

 

Die Flughafengesellschaft macht jetzt ernst: Durch die Einführung von hohen GAT-Entgelten, von dubiosen Positionsentgelten (selbst für das zweiminütige Abstellen eines Flugzeugs vor dem Hangar zum Einhallen werden jedes Mal 10 € berechnet), der Einführung einer Mindesttonnage von 6 t bei der Berechnung der Landegebühren und letztlich auch durch die Kündigung von Stellplätzen will man die AL mit aller Macht loswerden. In der Summe der Entgelte soll eine Landung für die AL um bis zu 240% teurer werden. Das werden wir nicht akzeptieren.

 

Mit dieser Einstellung stehen wir nicht alleine da. Auch die IHK Berlin und Potsdam wiesen bereits Ende August in einem der Berliner Morgenpost vorliegenden Brief an Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer und Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (beide SPD) darauf hin, dass das Segment der Business Aviation in Schönefeld vernachlässigt werde. Gefordert wird, „ein spezielles Konzept für diesen Luftfahrtzweig in Berlin-Brandenburg zu entwickeln" und „Planungssicherheit" für die Geschäftsreiseflieger zu schaffen.

 

Der AOPA ist klar, dass ein Großflughafen wie BBI auf Dauer keine Heimat für die AL sein kann. Aber die AOPA wehrt sich gemeinsam mit den vor Ort betroffenen Mitgliedern in Stellungnahmen gegen diesen Rauswurf. Solange der AL keine adäquaten Alternativstandorte zur Verfügung gestellt werden, ist ein Verbleib in Schönefeld nötig, und bis zur Schließung von Tegel kapazitätsmäßig auch noch möglich. In Strausberg, Finow und Schönhagen sind jeweils Ausbaumaßnahmen geplant, aber noch nicht genehmigt: An allen drei Plätzen gibt es weder Instrumentenanflugverfahren noch freie Hallenplätze. Auch die Straßenanbindung an die Hauptstadt ist ein Problem, so wartet man in Schönhagen sehnsüchtig auf den Ausbau der B101 und auf zwei Ortsumgehungen, wodurch sich die Anreisezeiten aus dem Stadtzentrum Berlins deutlich reduzieren würden.

 

Wir bleiben am Thema dran und halten Sie über die weitere Entwicklung informiert.

 

Foto: Berliner Flughäfen


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