Fürsty: Totgesagte leben länger

AOPA-Letter 03/10

Die Auseinandersetzung um den Flugplatz Fürstenfeldbruck zieht sich nun schon einige Jahre hin. Aber trotzdem gibt es für uns immer wieder Überraschungen zu erleben, positive und negative. Fangen wir mit der negativen Überraschung an. Die Flugplatzgegner haben der Flugplatz-Fürsty-Betriebs GmbH und ihren Gesellschaftern zu Beginn diesen Jahres ein Angebot unterbreitet, das man nur noch als unmoralisch bezeichnen kann.

 

Um den Flugplatz endlich loszuwerden, wollte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben den Betrag von 70.000 € an die FFB GmbH zahlen. Im Gegenzug sollte der Flugbetrieb unverzüglich eingestellt und auf die Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen verzichtet werden. Zudem sollten alle anhängigen Klagen zurückgezogen und alle Äußerungen unterlassen werden, die das Ansehen der gegnerischen Seite beeinträchtigen oder beschädigen könnten. Sollte man diesen Deal ablehnen, würde es zu Schadenersatzklagen in Höhe von bis zu 320.000 EUR wegen der unterlassenen Räumung des Geländes kommen.

Am 15. April 2010 ist die Frist für dieses unmoralische Angebot abgelaufen. Natürlich haben wir es nicht angenommen. Wie hätten wir es auch annehmen können? Zum einen glauben wir weiter an die Erfolgschancen unseres Einsatzes für Fürsty, zum anderen würden Sie als unsere Mitglieder jedes Vertrauen in die AOPA verlieren, würden wir uns in kritischen Situationen einfach kaufen lassen.

 

Die Reaktion der Gegenseite auf die abgelehnte Kapitulation ließ nicht lange auf sich warten. Der Landtagsabgeordnete Bocklet warf den Fliegern vor, sie würden sich verhalten wie ein trotziges Kind, das mit dem Fuß aufstampft, weil es unbedingt ein Spielzeug haben will. Ärgerlich wäre es, dass wir unsere Niederlage nicht eingestehen wollen und die Planungen der anderen Seite zur nichtfliegerischen Nutzung des Flugplatzgeländes verzögern.

 

Wir finden, Trotz und intolerantes Verhalten lassen sich eher auf der Seite der Flugplatzgegner feststellen, denn wir Flieger haben rein gar nichts gegen die anderen Verwendungsarten von der Trabrennbahn über die Umgehungsstraße bis hin zur BMW-Fahrstrecke. Es ist auf über 250 ha reichlich Platz für alle da. Wir stehen nach wie vor für Gespräche zur Verfügung, nur einfach kapitulieren werden wir nicht.

 

Kommen wir jetzt zu den positiven Überraschungen. Mit Freude haben wir zur Kenntnis genommen, dass sich die Verkehrskommission der CSU in dieser Woche dafür ausgesprochen hat, entweder Fürstenfeldbruck oder Oberpfaffenhofen dauerhaft für alle Flugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt zu öffnen.

 

Die Nachricht vom Kurswechsel in diesem CSU-Gremium hat offenbar eine „Schockwelle" in der Einheitsfront der Flugplatzgegner ausgelöst, so ist es auch in der Regionalpresse nachzulesen.

 

Die nächste gute Nachricht: Durch Zuwendungen engagierter Mitglieder, die sich über die Versuche Fürsty mit allen Mitteln kaputtzumachen massiv geärgert haben, sind die Finanzen der FFB GmbH für dieses Jahr gesichert. Der Flugbetrieb und die juristischen Verfahren können somit fortgeführt werden. Zudem haben wir Kontakte zu mehreren Investoren aufgenommen, die an einer langfristigen Flugplatzentwicklung interessiert sind.

 

Im August steht eine erste Gerichtsverhandlung beim Landgericht an, dort will uns die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf Räumung des Geländes verklagen. Auf einen Termin beim Verwaltungsgerichtshof warten wir noch, dort klagen wir für die Erteilung einer Betriebsgenehmigung, außerdem werden wir wie im Editorial des letzten AOPA-Letters von Prof. Giemulla beschrieben eine Normenkontrollklage gegen die verfassungswidrige Änderung des Landesentwicklungsplans einreichen.

 

Unser Dank geht heute an alle, die sich so engagiert für Fürsty einsetzen. Der Brandanschlag vom 3. Januar auf die in Fürsty abgestellten Flugzeuge und die Pressebilder der daraufhin sektschlürfenden Flugplatzgegner haben eine ungeahnte Welle der Solidarisierung unter den Piloten ausgelöst. Wir sind uns bewusst, dass es nicht nur um Fürsty geht, sondern auch darum nach der Schließung von Berlin-Tempelhof das Einsetzen eines Dominoeffekts zu verhindern.

Wir werden nicht locker lassen und Fürsty nicht aufgeben. Versprochen.

 

Dr. Michael Erb


AERO 2020

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