Flugplatz Fürstenfeldbruck - Herzlichen Dank an alle Unterstützer!

AOPA-Letter 05/10

Wir sind gleichermaßen überrascht und erfreut über die große Unterstützung, die wir aktuell von Piloten aus aller Welt erfahren. In den letzten Tagen sind bei uns über 300 eMails eingegangen, die wir leider nicht alle individuell beantworten können. Wir möchten uns bei Ihnen hiermit ganz herzlich für die Unterstützung von Fürstenfeldbruck bedanken, es ist gut zu erfahren, dass wir als AOPA-Germany diese Auseinandersetzung um den Erhalt des Flugplatzes nicht alleine durchfechten müssen!

 

In der Zwischenzeit sollten Sie auf Ihre Zuschriften an BMW auch eine Antwort von Dr. Kay Segler erhalten haben, der bei BMW als Geschäftsführer der M GmbH für Fahrsicherheitstrainings und Motorsport zuständig ist. Dieses Antwortschreiben liest sich für Außenstehende sicher sehr gefällig, ist aber für uns in seinen zentralen Aussagen nicht glaubwürdig:

 

Aussage Nr. 1: „Die fliegerische Nutzung der Region 14 wird in keinster Weise von BMW beeinflusst."

 

Dr. Segler schreibt, dass er die Verärgerung auf Seiten der Privat- und Geschäftsflieger versteht, dass aber die Gemeinden Maisach /Fürstenfeldbruck die alleinige Planungshoheit zur zukünftigen Nutzung des Areals haben, und die wären nun einmal gegen den Flugplatz. BMW sieht sich anscheinend auch in einer Opferrolle, denn die Flieger würden pauschal mit dem Finger auf BMW zeigen, „wohl weil wir die beste Angriffsfläche zu bieten scheinen. (...) Allen Beteiligten muss dabei klar sein: Die fliegerische Nutzung der Region 14 wird in keinster Weise von BMW beeinflusst." Stimmt das, greift BMW wirklich nicht beeinflussend in die politischen Entscheidungen zur künftigen Nutzung des Flugplatzes Fürstenfeldbruck ein?

 

Die Fakten sprechen klar gegen BMW. So schreibt Maximilian Schöberl, BMWs Leiter Konzernkommunikation und Politik am 9. Juni 2009 an den Hauptgeschäftsführer der IHK München, dass BMW „enttäuscht und verärgert" über die Unterstützung der Kammer für das Flugplatzprojekt in Fürstenfeldbruck ist. Der Vorstandsvorsitzende Reithofer persönlich würde eine neutrale Position der Kammer zu Fürstenfeldbruck erwarten.

 

Auch die Politik sollte ja wissen, ob sie von BMW beeinflusst wird. So schreibt der Bayerische Staatsminister für Wirtschaft und Verkehr Martin Zeil am 11. Februar 2010 an ein AOPA-Mitglied, warum plötzlich eine nichtfliegerische Nutzung des Flugplatzes bevorzugt wird: „Die Planungen der Gemeinde Maisach werden insbesondere von dem Unternehmen BMW nachdrücklich unterstützt."

 

Noch Fragen?

 

Aussage Nr. 2: „Es gibt nicht genügend Platz für eine gemeinsame Nutzung."

 

Dr. Segler schreibt: „Die Start- und Landebahn ist Mittelpunkt unseres Trainings. Für den bisherigen Flugbetrieb waren 20.000 Flugbewegungen pro Jahr genehmigt. Das würde bedeuten, dass wir bei maximaler Auslastung jeden Tag im Schnitt 55 Flugbewegungen hätten. Bei einer gemeinsamen Nutzung der Start- und Landebahn – die sich zudem an den Wochenenden nochmals konzentriert – wären unsere Fahrsicherheitstrainings nicht durchführbar."

Die Piste in Fürsty ist 2744m lang und 45m breit. Zwei parallele Taxiways erstrecken sich über die volle Pistenlänge und sind jeweils 20m breit, so breit wie eine vierspurige Autobahn. Zudem gibt es noch ein Vorfeld mit der Dimension von 500 x 215m.

 

Für den Flugbetrieb werden aber nur etwa 1400m Piste, ein paralleler Taxiway und ein Teil des Vorfeldes benötigt, somit bleibt in Fürsty mehr als genügend Platz um bei aktivem Flugbetrieb noch eine Formel 1 Rennstrecke zu betreiben.

 

Dr. Segler scheint auch selbst eine durchaus aktive Rolle bei der Eroberung Fürsties durch BMW zu spielen. Zu Beginn diesen Jahres hatte er einen Auftritt in Fürsty, bei dem er im Fahrzeug des BMW Race Director einen Konvoi von etwa 20 BMW-Fahrzeugen anführte, die am Towergebäude vorbeirauschten. Im Militärjargon nennt man solch ein Gehabe wohl „Machtdemonstration" oder auf Neudeutsch „Show of Force".

 

Wirklich eindrucksvoll anzuschauen, aber letztlich werden nicht die Pferdestärken von Sportwagen und Limousinen über den Ausgang dieser Auseinandersetzung entscheiden, sondern die Richter des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs.

 

Unterstützung von bedrohten Ameisen und Schmetterlingen

 

Vor kurzem haben Biologen bedrohte und geschützte Arten auf dem Flugplatzgelände gefunden. Der Schmetterling „Idas Bläuling" (Plebeisu Idas) und die Ameise "Formica fuscocinerea" haben einen perfekten Lebensraum auf dem Gelände gefunden. Das Flugplatzprojekt hat bereits in einer Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgreich nachgewiesen, dass es keine negativen Auswirkungen auf das auf dem Gelände eingerichtete FFH-Naturschutzgebiet haben würde. Das nichtfliegerische Projekt ist hingegen bei den bisherigen Umweltverträglichkeitsprüfungen durchgefallen. 

 

Ein herzliches Willkommen an unsere kleinen Mitbewohner, lasst uns gemeinsam und in Harmonie auf dem Flugplatz wohnen!

 

Idas Bläuling
Idas Bläuling, Foto: OhWeh, wikimedia

 

Es gibt durchaus noch eine Chance, dass BMW versteht wie sehr man mit der bisherigen Einstellung zum Flugplatz Fürsty seine Kunden aus der Luftfahrtbranche weltweit verärgert. BMW sollte seine Business-Pläne zu Fürsty revidieren, in denen man offenbar die Reaktion der weltweiten General Aviation Community als wichtigen Faktor entweder gar nicht, oder nur unzureichend berücksichtigt hat. Hoffen wir, dass BMW seine Lektion noch lernt. Die Auseinandersetzung geht auf jeden Fall weiter.

 

Dr. Michael Erb


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