Wege zur vereinfachten IFR-Ausbildung

AOPA-Letter 01/09

Neue EASA-Arbeitsgruppe mit dem Kürzel FCL.008

 

Am 31. Oktober trafen sich in Köln zum ersten Mal die Teilnehmer einer Arbeitsgruppe, die zur Aufgabe hat, die IFR-Ausbildungsrichtlinien für Privatpiloten zu überarbeiten. Damit geht man auf zahlreiche Kommentare ein, die bei der EASA in 2006 eingegangen sind. Damals hat man um Stellungnahmen zu einem Papier „ A concept for better regulation in General Aviation" gebeten. Offenbar haben die zahlreichen Kommentare Wirkung gezeigt, denn die EASA erkennt an, dass die derzeitigen JAR-FCL Ausbildungsrichtlinien für IFR sich nicht an den Bedürfnissen für Privatpiloten orientieren, sondern speziell in der Theorieausbildung auf die viel weitergehenden Bedürfnisse von künftigen ATPL-Inhabern ausgerichtet sind. So werden zum Beispiel Kenntnisse über Flight-Management- und Autothrottle-Systeme verlangt, auch soll man wissen wie Trägheitsnavigationsanlagen und Turbinentriebwerke funktionieren. Alles nett zu wissen, aber das alles ist für einen Cessna-, Cirrus- oder Diamond-Piloten schlichtweg überflüssiger Gehirnballast.

 

Auch die derzeit von der EASA geforderten 150 Stunden Theorie-Unterricht halten wir für unangemessen. Die FAA z.B. hat keinerlei Vorschriften für eine Mindest-Theoriestundenzahl, der Prüfling hat sein Wissen nachzuweisen. Und ob er alleine auf dem Sofa im Selbststudium lernt oder im Ausbildungsraum der Flugschule ist in den USA völlig gleichgültig. In Europa hat das derzeitige System die Folge, dass etwa 50% der Kandidaten ihre IFR-Ausbildung abbrechen, weil sie die übliche Mehrfachbelastung Beruf, Familie und IFR-Ausbildung schlichtweg aufreibt. Denn die 150 Stunden sind 20 volle Tage an freien Wochenenden oder im Urlaub, oder 50 Abende mit jeweils 3 Stunden.

 

Dies hat zur Folge, dass in Deutschland und Europa nur etwa 5% der Privatpiloten ein IFR-Rating haben, in den USA hingegen haben 27% der PPL- und sogar 88% der CPL-Inhaber IFR. Somit haben wir in Europa noch ein großes Wachstumspotential in diesem Bereich, das wir zur Erhöhung der Sicherheit und zur Ankurbelung der Wirtschaft gerne nutzen wollen.

 

Vertreten wird die IAOPA in dieser Arbeitsgruppe durch Dr. Michael Erb, zuständiger EASA-Sekretär ist Matthias Borgmeier, den viele noch als Flugsicherheitsinspektor des DAeC kennen. Zum Vorsitzenden gewählt wurde Raimund Neuhold von der International Association of Aviation Personnel Schools.

 

Die Zeitvorgabe für diese Gruppe ist sehr ambitioniert, bis zum ersten Quartal 2010 soll ein Entwurf für die neue Vorschrift zur Kommentierung (im Fachjargon NPA = Notice of Proposed Ammendment) veröffentlicht werden. Die neuen Regelungen könnten dann ab 2012 greifen.


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