JAR-FCL geht, EASA-FCL kommt

AOPA-Letter 05/12

Das Bundesverkehrsministerium (BMVBS) hat vor einigen Wochen den Umwandlungsbericht veröffentlicht, mit dem geregelt wird, wie EASA-FCL in Deutschland eingeführt werden soll.


Grundsätzlich ändert sich für die Inhaber von JAR-konformen Lizenzen im neuen System nur wenig, irgendwann werden sie nach Ablauf ihrer derzeitigen Lizenz eine neue Lizenz mit fast den gleichen Rechten und Pflichten erhalten wie derzeit.

 

Spannend sind hingegen die Fragen, wie man mit den Lizenzen umgeht, die nicht nach JAR-FCL ausgestellt sind, also dem guten alten ICAO-PPL mit etwa 10.000 Inhabern und dem recht neuen PPL-N mit etwa 900 Inhabern. Denn die JAR-konformen Lizenzen werden im Wesentlichen 1:1 umgeschrieben.

 

Das BMVBS plant, die PPL-N Inhaber, die bislang auf den deutschen Luftraum beschränkt waren und nur Flugzeuge bis 750 kg fliegen durften, mit einem LAPL auszustatten, der dann europaweit gilt und bis zu einem MTOW von 2000 kg. Für die Betroffenen ist das sicherlich ein großer Gewinn.
Für die Inhaber eines ICAO-PPL sieht es leider negativ aus: Die Inhaber bekommen, wenn sie keine CVFR-Prüfung ablegen, einen nicht ICAO-konformen LAPL, mit dem sie nicht mehr außerhalb Europas fliegen dürfen. Fliegen in den USA z.B. wäre damit nicht mehr möglich. Außerdem dürfen sie in Zukunft nur noch maximal 4-sitzige Luftfahrzeug fliegen.

 

Das Positive: Die CVFR-Prüfung kann von den ICAO-PPL-Inhabern jetzt ohne die bislang vorgeschriebenen 10 Stunden Flugausbildung und die Theorieausbildung abgelegt werden. Mit dieser Prüfung bekommt man dann einen vollwertigen EASA-PPL ohne Restriktionen.Wir schätzen, dass von den überwiegend älteren ICAO-PPL-Inhabern etwa 1/3 das CVFR noch machen wollen, die anderen 2/3 jedoch nicht. Von diesen 2/3 werden sehr viele sowieso nicht aus Europa herausfliegen wollen. Diejenigen, die sich ihren Aktionsradius nicht einschränken lassen wollen, werden sicherlich Klagen gegen den Verlust ihrer Privilegien in Erwägung ziehen.

 

Die AOPA sieht diese Beschneidung der Rechte der Lizenzinhaber ebenfalls sehr kritisch, derzeit prüft der AOPA-Arbeitskreis der fliegenden Juristen die Lage juristisch. Man kann sicherlich den ICAO-PPL-Inhabern nicht einfach ihre Privilegien wegnehmen, und die ICAO-Standards sind ja nicht irgendwas Beliebiges. Klagen werden aber erst möglich sein, wenn die Rechte der Betroffenen eingeschränkt werden, also mit der Einführung von EASA-FCL in Deutschland im April 2013. Auch ist völlig unklar, wie die Luftfahrtbehörden bis zum 8. April 2014 einen hohen Prozentsatz der ca. 10.000 Lizenzinhaber prüfen wollen, die Prüferkapazitäten dafür sind weder beim Luftfahrt-Bundesamt, noch bei den Länderbehörden annähernd vorhanden.

 

Nach einem mit dem Bundesverkehrsministerium (BMVBS) geführten Telefonat, in dem wir unsere Bedenken und die Haltung unserer Mitglieder vorgetragen haben, ergeben sich zwischenzeitlich positive Perspektiven. Man zeigte sich im BMVBS der Problematik durchaus bewusst und prüfte, ob die „Flugprüfung zum Nachweis ausreichender Kenntnisse der Verwendung von Funknavigationshilfen gemäß Anhang II zur Verordnung (EU) Nr. 1178/2011" nicht auch von Fluglehrern durchgeführt werden könnte, etwa in Verbindung mit dem PPL-Übungsflug. Offenbar lehnten die Landesluftfahrtbehörden diese pragmatische Vorgehensweise jedoch ab. Wir halten Sie informiert.

 

Dr. Michael Erb


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