EASA veröffentlicht Gesetzesentwurf zur Lizenzierung

AOPA-Letter 04/08

Die europäische Flugsicherheitsagentur EASA in Köln ist vom Europäischen Parlament und dem Europäischen Rat gemäß ihrer neuen Basic Regulation (EC) No 216/2008 im Februar 2008 damit beauftragt worden, ihre Zuständigkeit auch auf die Gebiete Lizenzierung der Piloten und Flugbetriebsregeln auszudehnen.

 

Was bedeutet das für uns?

 

Die EASA wird, anders als ihr Vorgänger JAA, Vorschriften mit unmittelbarer Gesetzeskraft erarbeiten, die in allen EASA-Mitgliedstaaten verbindlich werden. Die JAA/JAR Vorschriften hingegen waren nur Empfehlungen, jeder Mitgliedsstaat hat in sie noch das hineingeschrieben was er gerne sehen wollte. Doch mit der Nationalstaaterei in Sachen Lizenzierung wird es bald vorbei sein, spätestens im April 2012, wenn EASA-FCL greift. Die Nationalstaaten werden mit ihren Behörden nur noch Lizenzen verwalten, nicht aber direkt Einfluss auf die Standards nehmen können.

Ebenfalls neu und ungewohnt für uns alle ist, dass die EASA ihre Gesetzesentwürfe (NPAs) veröffentlicht und alle Interessierten um Kommentierung bittet. Diese Kommentare werden nach einer Bearbeitungszeit von mehreren Wochen bzw. Monaten auch allesamt mit einer Kommentierung veröffentlicht, die Vorschriften ggf. entsprechend angepasst. Hier sind vor allem die Verbände wie etwa die europäische IAOPA gefragt, die auch in den Gremien der EASA mitarbeiten, aber selbstverständlich können auch alle Privatpersonen ihre Kommentare abliefern. Bitte machen Sie von dieser Möglichkeit Gebrauch! Die NPA 2008-17b zu EASA-FCL umfasst mehr als 640 Seiten, der Teufel steckt oft im Detail.

 

Wirklich neu ist die europäische Lizenz für das leichte Fliegen „LPL", die Leisure Pilot License. Bereits mit einer deutlich abgespeckten Ausbildung wird man europaweit Flugzeuge bis zu 2.000 kg Höchstgewicht fliegen dürfen.Ebenfalls neu ist, dass die EASA die Zuständigkeit für ausländische Third-Country-Aircraft übernehmen soll, die im Gebiet der EASA stationiert werden. Es ergeben sich starke Anzeichen dafür, dass die EASA plant, in Europa stationierte ausländische Flugzeuge in ein nationales europäisches Register überführen zu lassen, damit sie besser kontrolliert werden können. Die Ausführungen sind noch recht vage, aber hier stehen wir bereits mit den Kollegen der European Business Aviation Association (EBAA) und der General Aviation Manufacturers Association (GAMA) in Verbindung, um zu verhindern, dass hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird. Denn viele in Europa eingesetzte ausländische Flugzeuge können angesichts vieler STCs nicht ohne einen enormen finanziellen Aufwand für die Zulassung in ein europäisches Register überführt werden. Auch fliegen viele Europäer mit US-Lizenzen etwa IFR, weil der europäische Syllabus einfach viel zu aufwendig ist. Hier gilt es auch noch die neue NPA zu EASA-OPS abzuwarten, die später in diesem Jahr, frühestens im August, veröffentlicht wird.

 

Verpasst wurde in diesem Zusammenhang auf jeden Fall die Chance zur Einführung eines Ausbildungsprogramms für IFR-Piloten, das auf die Anforderungen an PPL-Inhaber und leichte Kolbenflugzeuge zugeschnitten ist. Wir bleiben mit unserer Forderung jedoch hartnäckig und haben erreicht, dass ein Projekt „Qualifications for Flying in IMC" weiterverfolgt wird, so dass es in 2010 zu einem eigenen NPA-Verfahren kommen soll.


Jeppesen

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