EASA in der Kritik

AOPA-Letter 05/08

Die EASA haben wir für ihre Aktivitäten und Pläne zur Förderung der Allgemeinen Luftfahrt schon häufig gelobt. Jetzt muss sie sich aber deutliche Kritik gefallen lassen: Die Durchsicht des aktuellen Entwurfs mit Namen NPA 2008-17b zur Neuregelung von Fluglizenzen enttäuscht uns schon sehr. Alle Details können wir hier nicht besprechen, aber durchaus die Highlights.

 

So ist zum Beispiel geplant, dass alle Piloten, auch PPL-A Inhaber, nach sechs Jahren einen sog. Proficiency Check mit einem Exa-miner ablegen müssen, um weiter fliegen zu dürfen. Auf Deutsch: Sie müssen einen Überprüfungsflug mit einem Flugprüfer bestehen. Ebenso müssen sich alle Fluglehrer und Class-Rating-Instruktoren überprüfen lassen, die Überprüfung steht für sie bei jeder zweiten Scheinverlängerung an. Bislang mussten Privatpiloten nach JAR-FCL alle zwei Jahre einen Übungsflug mit einem Fluglehrer ablegen, was durchaus sinnvoll war und sich auch bereits im US-System als „Biennial" über Jahrzehnte bestens bewährt hat. Aber jetzt sollen die PPLer alle sechs Jahre in einer scharfen Prüfungssituation mit einem Prüfer nachweisen, was sie in Theorie und Praxis noch können. Falls der Prüfer nicht zufrieden ist, fällt der Pilot durch und darf nicht mehr fliegen. Wir fürchten, dass viele Piloten, gerade auch solche die schon seit Jahren unfallfrei fliegen, auf solch eine Prüfung einfach keine Lust haben und ob dieser Gängelei die Fliegerei komplett aufgeben werden. Und das kann sich eine europäische Behörde, die sich zum Ziel gesetzt hat gerade auch die Wirtschaftskraft der Branche zu stärken, einfach nicht leisten.

 

Außerdem will die EASA die Kontrolle über alle ausländischen Fluglizenzinhaber erhalten, die in Europa fliegen. Deshalb sollen alle ausländischen Lizenzen, auch wenn die Inhaber Flugzeuge aus Drittländern fliegen, nur noch für maximal ein Jahr in Europa verwendet werden dürfen, aber auch erst nachdem man seine Fähigkeiten in Theorie und Praxis nachgewiesen hat.

 

Warum aber gibt es denn so viele Betreiber ausländischer Flugzeuge in ganz Europa? Weil die Behörden diesseits des Atlantiks nicht in der Lage sind, viele exotische Flugzeugtypen oder auch Standardflugzeuge mit seltenen ergänzenden Musterzulassungen (STC) zu vernünftigen Kosten zum Verkehr zuzulassen. Die neue Gebührenordnung der EASA mit immensen Kosten für Minor und Major Changes hat die Situation nicht eben entschärft.

Und weil man in Europa nicht in der Lage ist ein Instrumentenflug-Rating so zu konzipieren, dass der Pilot einer Cessna 172 nicht Kenntnisse von Turboprop- und Jettriebwerken nachweisen muss, bevor er durch Wolken fliegen darf.

 

Warum ist die EASA auch nicht dem Rat der Verbände gefolgt und hat das existierende, in vielen Jahren mühsam aufgebaute Regelwerk von JAA-FCL nicht einfach systematisch auf seine Schwächen durchforstet und konsequent modernisiert? Warum musste das Rad von einer unter chronischem Personal- und Geldmangel leidenden EASA komplett neu erfunden werden? Die EASA hätte heute die Chance, sich dem Wettbewerb unter den Luftsicherheitsbehörden zu stellen, mit Kundennähe und Sicherheitsstatistiken gleichermaßen zu glänzen. Stattdessen plant man lieber unbequeme Konkurrenz etwa durch die US-amerikanische FAA durch rigide Regula-rien auszuschließen. Dabei gäbe es einfache Möglichkeiten, auch ausländische Lizenzinhaber in Europa zu kontrollieren, wie dies von der EASA gefordert wird. Denn auch wie bei der Großluftfahrt könnte man regelmäßig Vorfeldkontrollen durchführen, bei denen Luftaufsichtspersonal sich die Lizenzen und die Flugzeugdokumentation vorlegen lässt. Bei gravierenden Mängeln könnte sofort ein Flugverbot verhängt werden, Vergehen könnten von den Checkern per E-Mail sofort an die Kollegen im Ausland gemeldet werden. Aber auf diese doch eigentlich naheliegende Alternative verzichtet man offenbar lieber.

 

Gibt es auch etwas Erfreuliches zu melden? Durchaus, z.B. dass eine vereinfachte Leichtflugzeuglizenz eingeführt werden soll, der LPL, und dass man als PPL-Fluglehrer keinen CPL mehr braucht.

 

Erfreulich ist aber vor allem, dass Sie der EASA Ihre Meinung schreiben können, und zwar bis zum 18. Oktober 2008. Allerdings sollten Sie auf Englisch schreiben. Bitte nutzen Sie ausschließlich das Comment-Response-Tool auf der EASA-Website. Sie werden auch garantiert eine Antwort erhalten, so offen und transparent ist die EASA schon. Das gesamte Dokument ist 647 Seiten stark. Sie können es im englischen Original im Internet herunterladen, geben Sie in Ihrer Suchmaschine doch die Suchbegriffe „EASA NPA 2008-17b" ein, dann werden Sie fündig. Bleiben Sie bei der Kommentierung aber bitte sachlich. Wenn Sie der EASA nur mit kernigen Sprüchen mitteilen wollen, dass sie die Nase gestrichen voll haben, wandert Ihr Kommentar sicher in den Müll. Und schicken Sie uns bitte eine Kopie Ihrer Stellungnahme, wir können dann Ihre Erkenntnisse auch in unsere Position einfließen lassen.

 

Wir werden gemeinsam mit den Kollegen der europäischen IAOPA unsere Meinung deutlich vertreten!


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