EASA geht weiter gegen Lizenzen aus Drittstaaten vor

AOPA-Letter 06/10

Die EASA beabsichtigt in ihrem Gesetzesentwurf zu EASA-FCL auch nach Sichtung der kritischen und fundierten Kommentare der Branche an ihrem Ziel festzuhalten, dass alle in Europa stationierten Flugzeuge mit dem Inkrafttreten von EASA-FCL im Jahr 2012 nur noch von Inhabern europäischer Fluglizenzen gesteuert werden dürfen. Dabei beruft sich die EASA auf den Artikel 4)2) ihrer Basic Regulation, die vorsieht, dass Personal, das in den Betrieb von in Europa stationierten ausländischen Flugzeugen involivert ist, den EASA-FCL-Regularien folgen muss.

 

Wir betrachten diese Entwicklung als ausgesprochen kritisch, alle ausführlichen Kommentare der internationalen IAOPA im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens wurden zwar zur Kenntnis genommen, „noted", aber nach einer Dankesfloskel schlichtweg verworfen. Ebenso erging es den Kollegen der amerikanischen Vereinigung der Flugzeughersteller „GAMA" und der US-Luftfahrtbehörde „FAA". Eine Diskussion über die von uns erwarteten überaus negativen Auswirkungen dieser Maßnahme auf die Branche der General Aviation in Europa fand nie statt. Wir gehen in Ermangelung einer offiziellen Statistik davon aus, dass etwa 10% der Flugzeuge der General Aviation in Europa sich in Third Country Registern befinden, vorwiegend in den USA. Für die betroffenen tausende von Piloten, besonders für die Inhaber von Instrument-Ratings, wird es entweder aus finanziellen oder zeitlichen Gründen kaum möglich die entsprechenden europäischen Lizenzen zu erwerben, oder aber die Flugschulkapazitäten würden bis 2012 (ggf. plus 1 Jahr Validation-Period = 2013) für sie nicht ausreichen.

 

Gerade für die IFR-Umschreiber würden sich genau die gewaltigen Hürden auftun, die schon dazu geführt haben, dass es in Europa kaum Inhaber von Instrumentenflugberechtigungen gibt: Sie müssten die volle Theorieausbildung mit anschließender Prüfung ablegen, dann noch die praktische Ausbildung (für die es nach einer Überprüfung durch eine Flugschule Erleichterungen geben kann) mit anschließender praktischer Prüfung. Dass diese Anforderungen

speziell an die Theorieausbildung viel zu hoch sind und der Prüfungsinhalt völlig an den Notwendigkeiten vorbeigeht, das hat die EASA selbst anerkannt indem sie eine Arbeitsgruppe zur Vereinfachung der IFR-Ausbildung für Privatpiloten eingesetzt hat. Diese Arbeitsgruppe FCL.008 hat gute Fortschritte gemacht und akzeptable Ergebnisse geliefert, doch dass diese neuen Regeln bis 2012 in Kraft treten und die benötigte Entlastung schaffen können gilt es zu bezweifeln.

 

Der Hinweis der EU-Kommission, man brauche sich doch nicht so aufregen, denn ein Abkommen zwischen der FAA und der EASA würde hier Abhilfe schaffen, ist leider nicht zielführend, da das unterschriftsreife sog. „Bilateral Agreement" sich gar nicht mit Fluglizenzen befasst. Ein komplett neues Bilateral Agreement zu FCL würde wohl kaum bis zum Jahr 2012 entstehen. Der Verdacht drängt sich auf, dass die Allgemeine Luftfahrt als ein Faustpfand in einem Handeskrieg zwischen Europa und den USA mißbraucht wird. Jan Brill von Pilot und Flugzeug spricht hier von „der größten Geiselnahme in der Geschichte der Luftfahrt."

 

Auch wären Ausländer, die in Deutschland Flugzeuge bewegen, deren Eigentümer sie sind und die sie mit ihren Fluglizenzen aus dem Heimatland fliegen, gezwungen europäische Lizenzen zu erwerben, was durchaus einen Konflikt mit bestehenden ICAO-Vorgaben darstellt. Die FAA erlaubt es Ausländern hingegen mit ihren Lizenzen und Flugzeugen in den USA im nichtgewerblichen Bereich weiterzufliegen.

 

Wir fordern deshalb, dass dieses Gesetzgebungsverfahren gestoppt wird und umgehend eine Untersuchung der Auswirkungen und eine Sicherheitsanalyse durchgeführt werden, bevor eine abschließende Entscheidung getroffen wird. Wir sind als AOPA-Germany im Verbund mit der IAOPA-Europa jederzeit bereit an solch einem Impact Assessment mitzuarbeiten. Zudem wäre es sinnvoll zu überprüfen, ob die langjährigen Inhaber von Third Country Instrument Ratings nicht einen einfacheren Einstieg in das europäische Lizenzsystem erhalten sollten. In Deutschland hat man damit gute Erfahrungen gemacht, das bestätigte auch das deutsche Verkehrsministerium BMVBS. So wird in Deutschland ein Validierungsverfahren angewendet, das von den Piloten 100 Stunden IFR-Flugerfahrung verlangt, eine theoretische Prüfung in Luftrecht und Human Performance, sowie die praktische Prüfung. Die EASA kennt dieses Verfahren ebenfalls, begrenzt die Validierungsfrist aber auf ein Jahr (maximal 2 Jahre bei Beginn einer Umschulung), danach wird die komplette Theorieprüfung und eine praktische Ausbildung mit Prüfung verlangt.

 

Die EASA ist gerade dabei, tausende von unbescholtenen Piloten massiv zu verärgern, sie zur Aufgabe ihres Fliegens zu zwingen und somit der europäischen General Aviation großen Schaden zuzuführen. Und das ohne ersichtlichen Grund, denn Anzeichen für eine erhöhte Unfallwahrscheinlichkeit der Piloten von Third-Country Lizenzen gibt es nicht.

 

Im Dezember 2010 wird ein sog. „Comitology Comittee" mit Vertretern der EU-Kommission und der EU-Mitgliedsstaaten über die Gesetzgebungsverfahren der EASA entscheiden. Die IAOPA und ihre juristischen Berater sind aktuell im Gespräch mit Mitgliedern des Europäischen Parlaments, mit Vertretern der EU-Kommission, mit dem EASA-Management, mit befreundeten Verbänden, mit der Luftfahrtpresse und Vertretern der Staaten im Comitology-

Committee, um noch ein Umdenken zu erzielen. Sollte das Comitology- Committee sich der Haltung der EASA anschließen, ist die Auseinandersetzung noch nicht verloren: Denn das Gesetzgebungsverfahren sieht noch eine Abstimmung des EU-Parlaments vor, in dem sich schon heute nach vielen Schreiben betroffener Piloten und Aufklärungsarbeit der Verbände eine kritische Haltung abzeichnet.


Fluglehrer gesucht

Diese Website verwendet Cookies. Wenn Sie diese Website nutzen gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.    Datenschutzerklärung    OK