EASA-FCL kommt, aber wann und wie?

AOPA-Letter 01/12

Von vielen werden die neuen europäischen Lizenzierungsvorschriften EASA-FCL heftig kritisiert. Die meisten Piloten wissen aber wohl noch gar nichts mit den neuen, europaweit einheitlichen Vorschriften der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) zum Lizenzwesen anzufangen, die in den letzten Monaten von den EU-Institutionen verabschiedet wurden und zum 8. April 2012 europaweit eingeführt werden sollen, oder besser gesagt sollten. Wer heute schon JAR-konforme Lizenzen hat, der wird tatsächlich von der Umstellung kaum betroffen sein. Viele Piloten werden aber tatsächlich massiv getroffen.

 

In Deutschland sind das mehrere hundert Piloten im Alter über 60 Jahre, die unter der deutschen Fassung von JAR-FCL noch gewerblich als alleiniger Pilot an Bord fliegen dürfen, allerdings gemäß §127 LuftPersV begrenzt auf den deutschen Luftraum. Mit diesen Piloten, die oftmals in der Luftrettung oder bei kleinen Luftfahrtunternehmen beschäftigt sind, befasst sich ausführlich der Artikel von Jürgen Mies auf Seite 14. Der neu gegründete Arbeitskreis der Luftfahrtunternehmen in der AOPA ist in Verbindung mit dem Bundesverkehrsministerium (BMVBS) und der EASA, um diese Problematik noch in letzter Minute in den Griff zu bekommen.

 

Außerdem werden in ganz Europa viele tausend Inhaber von Fluglizenzen aus Drittstaaten schwer getroffen, die zwar bislang keinerlei Probleme verursacht haben und geduldet wurden, jetzt aber durch EASA-FCL gezwungen werden mit europäischen Lizenzen zu fliegen. Die Lösung soll ein bilaterales Abkommen zur wechselseitigen Anerkennung von Fluglizenzen zwischen der amerikanischen FAA und der EASA bringen, die internationale IAOPA arbeitet hier eng zusammen mit dem Verband der Flugzeughersteller (GAMA) und Pilotengruppierungen wie die Grumman Pilots Association (AYA), um die Behörden von der Bedeutung dieses Vorhabens zu überzeugen. Wichtig ist auch, dass inzwischen alle europäischen Staaten von ihrem Recht Gebrauch machen, die Nutzung von Drittstaatenlizenzen bis mindestens 2014 weiter zu erlauben, um den Verhandlungen Spielraum zu geben und zu einem positiven Ergebnis zu kommen.

 

Aber wann kommt EASA-FCL? Schon zum eigentlich vorgesehenen Termin 8. April 2012? In einem Telefonat mit dem Luftverkehrsreferat des BMVBS haben wir erfahren, dass das BMVBS, das LBA und die Länderbehörden nach einer gemeinsamen Sitzung im Januar 2012 allesamt die Notwendigkeit sehen, die Einführung der Lizenzierungsvorschriften von EASA-FCL in Deutschland um ein Jahr nunmehr auf den April 2013 zu verschieben. Ein entsprechender Antrag Deutschlands auf ein sogenanntes „Opt-Out" soll bei den europäischen Behörden gestellt werden.

 

Durch die verspätete Verabschiedung von EASA-FCL durch das Europäische Parlament ist der ursprünglich vorgesehene Fahrplan nicht mehr zu halten, zudem sind auch die Authority Requirements, also der Vorschriftenteil für die Luftfahrtbehörden, noch nicht veröffentlicht. Die deutschen Luftfahrtbehörden wollen aber prüfen, ob in einigen Bereichen, wie etwa bei Flugschulen, ein früherer Einführungstermin angestrebt werden kann.

 

In Europa entsteht durch die unterschiedliche Einführung der Vorschriften zunächst ein Flickenteppich. In Großbritannien etwa rechnet man mit der Einführung von EASA-FCL zum 1. Juli 2012, aus anderen Staaten haben wir noch keine Fahrpläne vorliegen.

 

Was genau mit den Inhabern von ICAO- und nationalem PPL in Deutschland geschehen wird, steht nach Auskunft des BMVBS noch nicht abschließend fest. Angestrebt ist, diese Lizenzinhaber mit europäischen Lizenzen wie etwa dem LAPL oder einem PPL mit entsprechenden Restriktionen auszustatten, die für die Lizenzinhaber die Ausübung der gleichen Privilegien wie bislang erlauben. Wir haben das BMVBS darum gebeten, seine Planungen so bald wie möglich öffentlich bekannt zu geben, da sich in der Branche Unsicherheit breit macht und in Ermangelung von Fakten verstärkt Gerüchte im Umlauf sind.


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