Die EASA - Mal erfreut gelobt, mal heftig kritisiert

AOPA-Letter 04/09

Wer die Luftfahrtpresse aufmerksam liest, wird vielleicht nicht so recht wissen, was er von der EASA halten soll, besonders wenn er aus der Allgemeinen Luftfahrt (AL) kommt. Auf der einen Seite werden Initiativen wie eine einfachere Einstiegsfluglizenz einzuführen, die IFR-Theorie-Ausbildung auf ein sinnvolles Maß zu verschlanken und den CPL als Voraussetzung für die PPL-Lehrberechtigung abzuschaffen von der Branche überschwenglich begrüßt.

Auf der anderen Seite droht die gleiche EASA mit einem alle sechs Jahre zu wiederholenden Prüfungsflug für Privatpiloten, mit höheren organisatorischen Auflagen für Flugschulen, mit einem Rauswurf der sog. Third Country Aircraft (also vorwiegend der N-registrierten Flugzeuge) aus Europa, und damit, dass alle Betreiber von zweimotorigen Turboprops und einmotorigen Jets auch außerhalb von Luftfahrtunternehmen umfangreiche Managementsysteme und Flugbetriebshandbücher vorhalten müssen.

 

Zuckerbrot und Peitsche für die Allgemeine Luftfahrt, steckt dahinter eine Logik?

 

Von einigen Insidern wird die EASA mittlerweile scherzhaft nicht als European, sondern als Experimental Aviation Safety Administration bezeichnet, nach dem Motto: „Die experimentieren offenbar in ihrer neuen Rolle noch." In der Tat haben sich die Rulemaker der EASA vorgenommen, nicht nur neue europäische Vorschriften einzuführen, sie sollen auch gleich die besten weltweit sein, und deshalb muss man folglich auch alles anders machen als etwa die FAA und die JAA.

 

Die Luftfahrt sicherer zu machen ist aber speziell im Bereich der AL sehr schwierig. Zum einen existieren in Europa kaum Statistiken über die AL, man kennt noch nicht einmal grob die Anzahl der Flugstunden der AL-Flotte. Zum anderen weiß man offenbar auch noch wenig über die vielen überaus unterschiedlichen Bereiche der AL, vom Heißluftballon über die klassische Einmotorige bis hin zum mehrstrahligen Business-Jet. Wer hier in Ermangelung von Faktenwissen rein nach Bauchgefühl neue Vorschriften bastelt, riskiert die AL zu strangulieren.

 

Wie es aussieht, hat sich die EASA mit ihren neuen Aufgaben in der Gesetzgebung völlig übernommen. Für die geplanten Vorhaben fehlt es der EASA an Personal, darüber beklagte sie sich auch kürzlich gegenüber ihrem Dienstherrn, der Europäischen Kommission. Die Kommission wiederum antwortete ihr mit ungewöhnlich deutlichen Worten, dass sie zu ambitioniert sei und lieber auf bewährte Standards der ICAO und der JAA zurückgreifen sollte als eigene neu zu erfinden.

 

Dieser Auffassung können wir uns nur anschließen, und dies hat unser europäischer IAOPA-Vorsitzender Martin Robinson in einem Schreiben an die EU-Kommission auch klar gemacht. Unsere Empfehlung lautet, erst einmal einen Gang herunter zu schalten und gemeinsam mit den Verbänden darüber nachzudenken, wo denn die Prioritäten liegen. Über 11.000 Kommentare sind bei der EASA zu ihrem Gesetzesentwurf zu EASA-FCL eingegangen. Diese hohe Mobilisierung der Massen ist ein deutliches Zeichen dafür, dass hier grundsätzlich etwas nicht gestimmt hat.

Eine Abänderung der Basic Regulation, das ist die Zielvorgabe der EASA, die sie von der Politik erhalten hat und die bereits viele unsinnige Aufgabenstellungen enthält, ist dringend notwendig.

 

Sehr positiv ist, dass die EASA zuhört, genauso wie sie auch sehr informative Workshops veranstaltet und ihre Kommentierungsverfahren bei Gesetzgebungsverfahren sehr transparent gestaltet. Sie zeigt hierbei eine Offenheit, wie sie es auf nationaler Ebene bei Behörden leider oft nicht mehr gibt, oder gar noch nie gegeben hat.

 

Dazu gehört, dass die EASA aktuell zwei sog. Focal Points für die General Aviation benannt hat. Mit Matthias Borgmeier und Willy Sigl stehen den Verbänden zwei kompetente Ansprechpartner zur Verfügung, die die Aktivitäten für die AL in der EASA koordinieren werden.

 

Und diese Offenheit der EASA wollen wir mit den europäischen AOPAs auch zukünftig weiter nutzen, um für unsere Mitglieder Vorschriften zu erreichen, die uns sowohl einen sicheren, als auch einen kostengünstigen und unkomplizierten Betrieb unserer Luftfahrzeuge erlauben. Auch hier gilt es für die AOPA wieder mit einem langen Atem am Ball zu bleiben.


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