BMVBS und LBA kündigen Korrekturn bei Spracheinträgen an

AOPA-Letter 04/12

Wer im Mai diesen Jahres von seiner Landesluftfahrtbehörde hörte, dass er demnächst seine Sprachkenntnisse in Deutsch nachweisen muss, um einen entsprechenden Eintrag in seine Fluglizenz zu erhalten, der hat wohl zunächst an einen verspäteten Aprilscherz gedacht.

 

Aber tatsächlich, die deutschen Behörden wollen hier ernst machen. Oder sollte man besser sagen, wollten? Denn inzwischen hat sich etwas getan. Aber zuerst schön der Reihe nach:

 

Die europäische Flugsicherheitsagentur EASA sieht in ihrem neuen Regelwerk für das Lizenzwesen vor, dass Sprachkenntnisse in der Fluglizenz vermerkt sein müssen:

 

FCL.055 Sprachkenntnisse

Piloten (...), die das Funktelefon benutzen müssen, dürfen die Berechtigungen ihrer Lizenzen und Erlaubnisse nur ausüben, wenn sie in ihrer Lizenz einen Sprachenvermerk entweder für Englisch oder für die Sprache besitzen, die beim Flug für die Funkkommunikation verwendet wird. In dem Vermerk müssen die Sprache, das Niveau der Sprachkenntnisse und das Gültigkeitsdatum angegeben sein.

 

Die deutschen Behörden regeln aber tiefer als die EASA − es wäre ja noch schöner würde man einfach nur deren Texte abschreiben − indem im §125 LuftPersV festgelegt wird, dass "geeignete" Dokumente vorgelegt werden müssen, oder es wird streng formell geprüft:

 

Ein Nachweis über Kenntnisse der deutschen Sprache gemäß Stufe 6 der Anlage 3 wird von der für die Lizenzerteilung zuständigen Stelle auf Antrag in eine bereits erteilte Lizenz eingetragen, wenn der Bewerber geeignete Dokumente vorlegt, aus denen sich ergibt, dass die deutsche Sprache seine Muttersprache ist oder seine Kenntnisse gleichwertig sind. Sind die Voraussetzungen des Satzes 1 nicht erfüllt, überprüft eine vom Luftfahrt-Bundesamt nach § 125a anerkannte Stelle die Kenntnisse der deutschen Sprache. Absatz 3 Satz 2 bis 5 gilt entsprechend.

 

Jetzt könnte man davon ausgehen, wer in Deutschland einen Flugschein erworben hat und eine Flugfunkprüfung abgelegt hat, der hat wirklich umfassende Deutschkenntnisse nachgewiesen. Aber weit gefehlt. Welche Dokumente anerkannt werden, das verrät uns der § 2 Absatz 2 der 3. DV LuftPersV:

 

2) Die Muttersprache kann durch die Vorlage von Dokumenten nachgewiesen werden, aus denen hervorgeht, dass der Antragsteller

  1. die entsprechende Sprache in der frühen Kindheit ohne formalen Unterricht als Erstsprache erlernt hat und
  2.  mindestens acht der ersten zwölf Lebensjahre in einem Land verbracht hat, in dem die entsprechende Sprache als Amtssprache verwendet wird.

Das Land Brandenburg verlangt jetzt ernsthaft, dass ein Bekannter oder Verwandter des jeweiligen Piloten an Eides statt unter der Strafandrohung von drei Jahren erklärt, dass dieser zumindest acht seiner ersten zwölf Lebensjahre in Deutschland verbracht hat. Falls man niemanden findet, der die Erkärung unterschreiben kann und will, dann muss man zum Sprachtest antreten.

 

Der Blick über den Tellerrand hilft ja zuweilen bei der Ermittlung des eigenen Standortes, interessant wäre es zu wissen, wie denn z.B. die Briten auf die neue EASA-Vorschrift reagieren, ob sie ihre Muttersprachler auch zum Englischtest schicken? Ein Anruf bei der AOPA-UK löste dort eigentlich nur eine Mischung aus Erheiterung und Mitleid aus.

 

"Warum sollen wir denn auf Englisch getestet werden? Wir sprechen das doch jeden Tag. Und in Deutschland sprecht ihr Deutsch, warum sollt ihr das nachweisen? Willst du mich veräppeln, oder seid ihr Deutschen wirklich nicht ganz dicht?" Die Kritik war deutlich.

 

Erfreulicherweise zeigt die Kritik, die wir als AOPA auch gemeinsam mit unseren Kollegen des Dachverbandes DARL vorgetragen haben, jetzt offenbar Wirkung. Die zuständigen Referatsleiter im BMVBS und im LBA haben uns zugesichert, dass das LBA die Regelungen für Spracheinträge in der 3. DV LuftPersV überarbeiten und eine pragmatischere Lösung suchen wird, "die sowohl die Luftfahrer als auch die Luftfahrtbehörden nicht über Gebühr belastet".

 

Eine in Deutschland absolvierte Pilotenausbildung wird dann hoffentlich für das Erstellen eines Spracheintrags Level 6 (=Muttersprachler) ausreichen, so wie das in anderen Staaten auch gehandhabt wird.

 

Vielleicht kann man die Geschichte mit William Shakespeare auf Englisch und Deutsch zusammenfassen: „Much Ado about Nothing − Viel Lärm um nichts."

 

Dr. Michael Erb


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