Änderungen bei der EASA

AOPA-Letter 02/12

Die IAOPA berichtet über einschneidenden Änderungen, die sich bei der EASA für die Allgemeine Luftfahrt abzeichnen. Und zwar Änderungen im positiven Sinne.

 

Man kann es schon als seismische Verschiebung zu Gunsten der Allgemeinen Luftfahrt (AL) bezeichnen, wenn alle europäischen Staaten einstimmig erklären, dass effizientere Verfahren zur Regulierung der Branche gefunden werden müssen.

 

Ein Expertenteam unter der Führung Frankreichs ist vom EASA Board of Management damit beauftragt worden, mit der Neuplanung auf einem "leeren Blatt Papier" zu beginnen und auch ganz bewusst quer zu denken. Die Vorschriften für die AL sollten mit denen für Boote und Autos verglichen werden, und speziell auch das US-Vorschriftensystem für die AL sollte zur Inspiration herangezogen werden.

 

Die Expertengruppe, zu der auch Vertreter von IAOPA Europa und Europe Air Sports gehören werden, erhält von Matthias Ruete, dem Generaldirektor der Europäischen Kommission für Energie und Verkehr den Vorschlag: „Vielleicht sollte die erste Regel sein, dass es gar keine Regeln geben darf, solange es nicht wirklich um die Förderung der Sicherheit geht."

 

Der neue Ansatz geht davon aus, dass die Regulierung der EASA die Wirtschaft völlig unnötig einschränkt, und dass die Standardisierung quer durch Europa weniger rigide sein sollte. Die IAOPA, die seit Jahren auf eine Umsetzung des Weißbuchs der EU-Kommission „Für eine nachhaltige Zukunft der Allgemeinen Luftfahrt in Europa" drängt, glaubt dass sich in dieser neuen Situation Chancen für unsere Branche ergeben, die unbedingt wahrgenommen werden müssen.

 

Die IAOPA wird sich besonders für folgende Punkte einsetzen:

  • Die Beibehaltung der Registrierten Ausbildungsstätte (Registered Facility) anstelle des neuen Systems der Approved Training Organisation
  • Die Überarbeitung der Vorschriften zur Wartung der nicht-kommerziell betriebenen Flugzeuge, sprich CAMO und Part M
  • Die Beibehaltung des britischen IMC Ratings
  • Vorschriften die verhältnismäßig sind und einzig das Ziel verfolgen die Sicherheit in der AL zu erhöhen. Dabei sollen spezifische Probleme angegangen werden, für die auch der Nachweis erbracht ist, dass es einen tatsächlichen Handlungsbedarf gibt.

Kurz: Es darf keine europäische Standardisierung um jeden Preis geben.

 

Der Kurswechsel hat sich eingestellt, nachdem IAOPA Senior Vice President Martin Robinson ein Positionspapier vorstellte, das gemeinsam mit Europe Air Sports erarbeitet wurde. Auch die EASA zeigte sich nachdenklich und selbstkritisch, vielleicht müsse ihre Basic Regulation überdacht werden, also das Papier, das ihre grundsätzlichen Ziele und Aufgaben festlegt.

 

Das von Martin Robinson und David Roberts von Europe Air Sports verfasste Positionspapier will vor allem eine klare Unterscheidung treffen zwischen AL und kommerzieller Luftfahrt. Die Präsentation am 13. März in Köln provozierte eine überraschende Reaktion, ein Mitgliedsstaat nach dem anderen erkannte an, dass die AL europaweit tatsächlich anders reguliert werden müsse. Island, Frankreich, Tschechien, Spanien, Irland, Österreich, Polen, Niederlande, Norwegen, Schweiz, Dänemark, Großbritannien, Italien und Schweden unterstützten alle das Einschlagen eines neuen Weges.

 

Die Forderung Frankreichs nach sofortigen Maßnahmen wurde unisono unterstützt, auch von der EU-Kommission und in gewissem Umfang sogar von der EASA selbst. Matthias Ruete von der EU-Kommission forderte, dass sich eine Expertengruppe des Themas annehmen solle, und es müsste auch überprüft werden, ob auch die Regeln für die Business Aviation auf den Prüfstand gehören.

 

Zum Abschluss bedankte sich der Vorsitzende Mike Smethers bei allen Vortragenden und schlug vor, dass ein Experten-Team von nicht mehr als zehn Teilnehmern, darunter sollen auch Spezialisten von IAOPA und EAS sein, bis Juni ein Papier verfassen soll, das entsprechende Ziele formuliert.

 

Nach dem Meeting konnte Martin Robinson kaum glauben, dass der Vorschlag von IAOPA und EAS so viel Unterstützung erfahren hat. Eigentlich hatte er sich auf eine harte Auseinandersetzung eingestellt. Offensichtlich hat es sich ausgezahlt, dass man sich im Vorfeld mit vielen Vertretern der nationalen Behörden abgestimmt hatte. Es könnte wirklich ein neues Zeitalter für die AL in Europa beginnen, eines, das wirklich eine nachhaltig positive Zukunft für unsere Branche bringt. Das wäre wünschenswert für die AL, die EASA und ganz Europa.


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