Thielert-Insolvenzverfahren endet nach fünf Jahren mit Übernahme durch Chinesen

30.07.2013

Der chinesische Luftfahrtkonzern Avic übernimmt den insolventen Hersteller von Dieselflugmotoren Thielert Aircraft Engines. Damit setzt die Avic International Holding ihre Einkaufstour in der General Aviation fort: In 2011 wurde der amerikanische Motorenproduzent Continental gekauft, kurz danach wurde auch der in Finanznöte geratene Flugzeughersteller Cirrus übernommen.

 

Die Thielert Aircraft Engines hat derzeit etwa 200 Mitarbeiter. Für sie endet mit der Übernahme eine lange Zeit der Unsicherheit. Dass von der Anmeldung einer Insolvenz bis zum Unternehmensverkauf an neue Investoren fünf Jahre vergehen ist ausgesprochen ungewöhnlich. Insolvenzverwalter Bruno Kübler erklärte gegenüber der FAZ, dass diese Zeit nur mit militärischen Aufträgen aus den USA überstanden wurde, die Dieselmotoren von Thielert haben z.B. Drohnen des US-Herstellers General Atomics angetrieben. Um die Übernahme durch einen chinesischen Konzern nicht zu gefährden wurde seit Beginn dieses Jahres aber kein militärischer Auftrag mehr angenommen. Die Avic-Holding übernimmt auch nur die Produktion ziviler Produkte.

 

Die Insolvenz der Muttergesellschaft Thielert AG aus Hamburg beschäftigt weiterhin die Gerichte. Dem Ex-Vorstandsvorsitzenden Frank Thielert und zwei seiner leitenden Mitarbeiter wird Betrug und Urkundenfälschung vorgeworfen, so sollen sie die Bilanzen des Unternehmens frisiert und damit Anleger getäuscht haben. In einem strafrechtlichen Prozess wurde Thielert am 12. Juni noch im Gerichtssaal verhaftet. Die Untersuchungshaft wurde mit Fluchtgefahr begründet, denn Thielert droht eine mehrjährige Freiheitsstrafe, es besteht der Verdacht auf banden- und gewerbsmäßiges Vorgehen.

 

Auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO stand für das Testieren fehlerhafter Abschlüsse der Thielert AG vor Gericht und wurde zur Zahlung von 40 Millionen Euro verurteilt. BDO hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Auch gegen die Commerzbank - der Rechtsnachfolgerin der Dresdner Bank als Konsortialbank beim Börsengang - wurde geklagt, die Ansprüche wurden jedoch als verjährt abgewiesen.

 

Es bleibt zu hoffen, dass der Investor Avic das Unternehmen mit seinen innovativen Produkten mit frischem Kapital ausstattet, dass die Entwicklung und Produktion neuer Motoren in Angriff genommen wird, und auch nicht zuletzt die Kunden der Motoren aus den ersten Jahren der Produktion weiterhin auf die volle Unterstützung ihres Hersteller zählen können.

 

Thielert-Motor

© Centurion/Technify Motors GmbH

 

Kommentare:Kommentare:

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Anzahl bisheriger Kommentare: 2


24.02.2015
10:04:00
Mich beschäftigt die Frage, wie es mit den Aktionären von Thielert weiter geht. Ist mit der Übernahme alles zu Ende? Muss die Aktien abschreiben oder bestehen noch Ansprüche? Hierzu habe ich an keiner Stelle etwas gefunden.
auf Kommentar antworten
flyer
29.10.2015
12:12:00
Das würde mich auch interessieren. Was ist mit den Aktienbeständen der Aktionäre nach der Übernahme durch den chinesischen Investor? Sollte der IV nicht ein Übernahmeangebot stellen? Kann jemand vielleicht etwas dazu sagen?
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