Entwarnung Platzrunde Hangelar - Der Korridor ist weg!

10.02.2014

EDKBEndlich sehen wir als AOPA-Germany eine offizielle und positive Bewegung bei der Frage: Ist ein Korridor von 150m rechts/links verbindlich ja oder nein? Antwort: nein.
Ist die Platzrunde Hangelar verbindlich, ja oder nein? Antwort: wenn man sich daran hält, ja.
Ist ein Abweichen von dem Strich der veröffentlichten Platzrunde Hangelar eine Ordnungswidrigkeit, ja oder nein? Nein, auch wenn es über die 150 m hinausgeht. Hauptsache rechtsrum oder linksrum und die Höhe muss stimmen.


Immerhin gab es von der Bezirksregierung Düsseldorf diverse Gerichtsverfahren gegen Piloten wegen des angeblich verbindlichen Korridors. Fluglehrer hatten sich deswegen geweigert, Platzrundenflüge zu machen. Ortsfremde Piloten riefen dazu auf, den Platz zu meiden. Die Flugbewegungen gingen dramatisch zurück.


Das Verkehrsministerium NRW hat jetzt in einem Schreiben vom 31.01.2014 an die AOPA-Germany ganz eindeutig Stellung genommen: "Die Bezirksregierung Düsseldorf wurde daher aufgefordert, von der Praxis der grundsätzlichen Einleitung eines Ordnungswidrigkeitenverfahrens (...) abzusehen."


Wie kam es dazu?

Die AOPA Germany hatte am 07.11.2012 diverse Schreiben u.a. an die Bezirksregierung Düsseldorf, das Verkehrsministerium NRW, das LBA usw. gesandt. Zu einer Einigung kam es nicht.

Das Verkehrsministerium NRW hatte schließlich als vorgesetzte Behörde der Bezirksregierung ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses hat ganz eindeutig gegen den Korridor Stellung genommen (siehe Fazit im Gutachten).


Wir haben jetzt seitens der AOPA mit dem Verkehrsministerium NRW und dem Autor, Prof. Janser, TH Aachen ausdrücklich geklärt, dass das komplette Gutachten veröffentlicht werden kann. Darüber hinaus ganz wichtig: Dieses Gutachten darf bei Verfahren bundesweit als gerichtsfeste Argumentation bei Platzrundenthemen verwandt werden. Hier der Link zum umfangreichen Gutachten von immerhin 75 Seiten.

 

Das Gutachten bezieht sich vor allem auf die fliegerischen Aspekte, nämlich Fliegbarkeit und die Unmöglichkeit, einen Strich oder Korridor genau einzuhalten, ebenso auf die Sicherheitsaspekte.

 

Die juristische Frage, wie rechtlich verbindlich ist die Platzrunde ist, wurde auch benannt: "Dabei gibt es weder in den nationalen, europäischen oder internationalen Regularien eine Definition, in wie weit eine Platzrunde, die nach Sichtflugregeln geflogen wird, eingehaltern werden muss."

 

Schließlich hat dann auch die Bezirksregierung Düsseldorf im Schreiben vom 17.01.2014 an den Flugplatz Hangelar den Korridor zurückgenommen, jedoch weiterhin darauf hingewiesen, dass die Piloten weiter beobachtet werden. Soweit in diesem Schreiben auf das Gutachten Bezug genommen wird, wird wohl jetzt erwartet, dass die Piloten das Gutachten mit 75 Seiten auf dem Kniebrett in der Platzrunde dabei haben und ständig draufschauen? Rausschauen ist ja unwichtig.

 

Leider hat es sich mal wieder gezeigt, dass die fliegerische Vernunft zunächst hartem politischem Druck einiger Weniger weichen musste und einzelne Piloten und ein ganzer Flugplatz und die Allgemeine Luftfahrt der Bundesrepublik verunsichert wurden, bis hin zum Inkaufnehmen des wirtschaftlichen Kollapses des Platzes.


Herr Nüse war leider tatsächlich nur das Ende einer Befehlskette, die ihren Anfang irgendwo nicht nur in der Bonner Lokalpolitik, sondern in der NRW-Politik genommen hat, und die von oben mit massivstem unfairem und unsachlichem Druck durchgeführt wurde und am Ende bei einem Sachbearbeiter herauskam. Das Gutachten ist keine Klatsche für die Bezirksregierung, sondern vor allem für die Beteiligten in der Politik, die in diese Richtung gedrängt haben.


Andererseits hat sich auch gezeigt, dass es sich lohnt, als Piloten zusammenzuhalten und über einen Verband den nötigen Gegendruck aufzubauen. Dank sei vorrangig auch den Piloten und Vereinen vor Ort gesagt, die sich nicht gebeugt haben und Gerichtsverfahren durchgestanden haben und die Luftfahrtpresse mit Informationen versorgt haben.


SIBYLLE GLÄSSING-DEISS
Vizepräsidentin
AOPA-Germany



Kommentare:Kommentare:

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Anzahl bisheriger Kommentare: 2

Gundolf reitmaier
10.03.2014
14:37:00
Glückwunsch zu dem Ergebnis! Ich hatte mich mehrfach zu diesem Thema geäußert. Bestärkt wurde ich dazu, nachdem ich auf einer Diskussionsrunde zum Thema Südumfliegung Fraport von Experten hörte, dass eine Abweichung von 1,5 km und mehr vom Idealpfad auch bei unseren technisch hochgerüsteten Airlinern flugtechnisch normal und hinzunehmen sei. Aopa hatte ich seinerzeit darüber informiert.
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Manfred Tyszkiewicz
18.03.2014
09:54:00
Super, dass das Ganze so suber geklärt wurde. Konsequenterweise müssten eigentlich nun Schadenersatzklagen gegen Verantwortliche für diese Eulenspiegelei folgen wegen Einnahmeausfall für den Flugplatz u.ä. Wobei es sicher schwer ist einen Schaden genau zu beziffern. Aber im Prinzip liegt ja eine vorsätzliche Gefährdung des Luftverkehrs vor, die Mitarbeiter des Regierungspräsidiums wurden ja über die Folgen Ihes Tuns ausreichend informiert. Und werden auch noch von unseren Steuergeldern bezahlt.
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